Baby Led Weaning vs. Babybrei – was ist der Unterschied?

Selbst entdecken ist hier das Motto. Bei diesem neuen Ansatz soll Dein Baby selbst entscheiden wann es bereit ist für den Beikoststart und was es gern essen will. Beim Baby Lead Weaning gibt es demnach von Beginn an Fingerfood. Hört sich soweit ziemlich einfach an, doch was steckt wirklich dahinter und was gibt es zu beachten? Zusätzlich haben Euch die wichtigsten Vor- und Nachteile zusammengefasst.

Beim Baby Led Weaning sitzt Dein Baby mit am Familientisch und entscheidet selbst was es probieren möchte. Denn zu Anfang wird es beim Spielen und Lutschen der Lebensmittel bleiben, um die Beschaffenheit und Geschmäcker der Lebensmittel zu erkunden. Aus diesem Grund empfiehlt das FKE, um sicher zu stellen, dass Dein Baby alle und auch die richtigen Nährstoffe bekommt, Dein Baby zusätzlich zu stillen und es mit geeigneten Breien zu füttern. Mit voranschreitender Zeit wird Dein Kind die Milchmahlzeiten minimieren.

Woher kommt BLW?

Baby Led Weaning heißt übersetzt soviel wie “Baby-gesteuertes Abstillen”. Grundsätzlich ist es eine alternative Herangehensweise an die Beikosteinführung, bei der Deinem Baby beim Essen freie Hand gelassen wird. Entwickelt wurde das BLW von der Britin Gill Rapley. Beim BLW soll sich das Baby selbst entscheiden, wann es vom Stillen genug hat. Statt Brei gibt es dann bereits zu Beginn normale Kost.

Was spricht für das BLW?

Die Befürworter vom BLW sagen, dass Kinder sehr schnell Interesse am Familienessen zeigen. Ist das Kind in seiner Entwicklung bereit für zusätzliche Nahrung über Muttermilch bzw. Pre-Milch hinaus, werden Brei und Löffel beiseite gelassen. Stattdessen bekommen Kinder kleine Häppchen in Form von gekochtem Gemüse, weichem Fleisch oder kleinen Obststücken gegeben werden. BLW wirkt sich positiv auf das Essverhalten aus, denn Dein Baby kann die Beschaffenheit, Farbe und den Geruch des Nahrungsmittels selbst erkunden. Kinder ahmen zudem gern ihre älteren Geschwister nach. Wenn sie dann selbst zugreifen dürfen, fördert das ihre Unabhängigkeit und ihr Selbstvertrauen. Dein Baby schult dabei auch gleiche seine motorischen Fähigkeiten, denn die Hand-Augen-Koordination und die Kaufähigkeit werden trainiert.

Wie sollte ich mit BLW beginnen?

Möchtest Du bei Deinem Baby mit BLW starten, setze am besten auf nahrhaftes Fingerfood, welches für das Alter Deines Kindes geeignet ist. Mit ca. 6 Monaten zeigen die meisten Kinder Interesse an fester Nahrung, manche ein bisschen eher, andere ein bisschen später. Da das Interesse für Nahrungsmittel vor allem beim Familienessen geweckt wird, ist die gemeinsame Mahlzeit optimal für den Beginn mit dem BLW. Geeignete Lebensmittel sind vor allem die, die Dein Baby mit der ganzen Hand greifen kann, wie eine gegarte Karotte oder ein gegartes Brokkoliröschen. Dein Kind beherrscht den Pinzettengriff nämlich zu Beginn noch nicht. Essen hält es jetzt erstmal nur mit der Faust. Am Anfang ist es für Babys auch oft interessant nur mit dem Nahrungsmittel zu spielen, denn alles ist ganz neu und aufregend. Kinder zerdrücken den Brokkoli dann vielleicht erstmal in ihrer Faust oder lutschen nur an einem kleinen Stück. In dieser Zeit solltest Du auf jeden Fall weiter Stillen bzw. Deinem Kind Säuglingsanfangsnahrung zwischen den Mahlzeiten geben. Dein Baby wird von Tag zu Tag besser mit BLW zurecht kommen und aus Lutschen wird langsam auch tatsächliches Essen. Die Milchmahlzeiten können dann Stück für Stück reduziert werden.

Was sollte ich beim BLW beachten?

Wichtige Regeln, die Du beim Baby Led Weaning beachten solltest:

  • Keine Hektik! Dein Baby bestimmt Menge und Tempo selbst.
  • Keinen Zwang – solange Dein Baby gestillt wird, holt es sich selbst, was es braucht.
  • Lasse Dein Baby niemals unbeaufsichtigt, denn es besteht immer die Gefahr, dass es sich verschluckt.

Nach und nach beginnt Dein Baby die Nahrung zu schlucken, doch nicht alle Lebensmittel sind hierfür geeignet. Wichtig ist, dass die Lebensmittel länglich sind, da die Feinmotorik Deines Babys noch nicht ausgereift ist. Darüber hinaus sollten die Lebensmittel weich genug sein, damit es mit Kauleisten zerkleinert/mit der Zunge am Gaumen zerdrücken werden kann. Aber nicht so matschig, dass es schwer in der Hand zu halten ist.

Optimal für den Start sind zum Beispiel:

  • Weiches Obst und Gemüse – besonders gut eignen sich Banane und Gurke
  • gedünstete Gemüse wie Möhren, Kartoffel, Zucchini, Pastinake, Kürbis und Brokkoli
  • gedünstete Apfel- und Birnenstücke (diese sollten unbedingt geschält werden)
  • Reis- und Maiswaffeln

Essen soll Spaß machen! Eine kleine Sauerei ist dabei vorprogrammiert, denn es soll mit den Händen gegessen, gematscht und experimentiert werden. Damit Dein Baby sich optimal mit den Lebensmitteln beschäftigen kann. Ratsam sind daher ein paar Vorkehrungen, um die kleine Sauerei in Grenzen zu halten:

  • eine Matte unter dem Babystuhl
  • Lätzchen mit Ärmeln
  • Babystühle, die an den Familientisch angebracht werden können

 

H3: Vorteile des Baby Led Weaning

 

  • Die motorischen Fähigkeiten Deines Babys werden schon früh gefördert.
  • Dein Baby entwickelt ein gutes Gefühl dafür wann es satt ist.
  • Schon von Beginn an sitzt Dein Baby mit am Familientisch und darf schlemm wie die Großen.
  • Dein Baby lernt Nahrungsmittel in ihrer natürlichen Konsistenz kennen.

Was spricht gegen das BLW?

Babys sind kleine Entdecker. Sie lieben es neue Dinge zu erkunden. Das gilt natürlich auch für Nahrungsmittel. Beim BLW entsteht deshalb zu Beginn oftmals ein ziemliches Chaos, denn das wenigste Essen landet im Mund Deines Kindes. Die Folge ist, dass leider viele Lebensmittel weggeschmissen werden müssen, da sie matschig werden oder auf dem Boden landen. Am Anfang wird deshalb zunächst viel Essen bei der Fingerfood-Party verschwendet.

Der Berufsverband der Kinder und Jugendärzte rät vom BLW ab. In einer Stellungnahme wurde erklärt, dass beim BLW nicht garantiert werden könne, dass Kinder ausreichend mit allen Nährstoffen versorgt werden. Ein unausgewogenes Angebot könnte zu Fehlernährungen oder einer Unterversorgung mit bestimmten Nährstoffen führen. Beispielsweise können gestillte Babys ab dem sechsten Monat über die Muttermilch nicht mehr ausreichend mit Eisen versorgt werden, da der Eisenspeicher nach rund sechs Monaten aufgebraucht ist. Nimmt Dein Baby beim BLW nicht ausreichend Eisen zu sich, weil es am Fleisch nur lutscht statt es tatsächlich zu essen, kann das einen Eisenmangel auslösen. Für eine gesunde Entwicklung ist eine gute Eisenversorgung jedoch enorm wichtig.

Auch die Versorgung mit ausreichend Fett stellt beim BLW eine Hürde dar. Brei ist da natürlich eine praktischere Variante, da das Öl einfach mit unter gemischt werden kann. Beim BLW ist die Avocado aber eine gute Alternative.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte warnt darüber hinaus davor, dass Babys sich beim BLW an zu großen Obst- oder Gemüsestücken verschlucken können. Motorisch ungeschickte Kinder hätten zudem das Nachsehen. Bei ihnen bestehe die Gefahr, dass sie eventuell nicht richtig satt werden.

Folgende Lebensmittel eignen sich nicht für Baby Led Weaning:

  • Kirschen und Trauben (hier besteht Verschluckungsgefahr)
  • Erdnüsse und Nüsse (sollte Dein Baby sowieso erst ab dem 3. Lebensjahr erhalten)
  • Gesalzene Speisen
  • Fertiggerichte
  • Honig
  • Gezuckerte Speisen
  • Räucherfleisch- und Fisch
  • Rohmilchprodukte
  • Rohes Hackfleisch- oder Rohwurst-Erzeugnisse

Nachteile des Baby Led Weaning

  • Die erste Nahrung beim BLW ist nicht so schonend wie Breie, daher kann es zu Problemen bei der Verdauung führen.
  • Es besteht die Möglichkeit, dass Dein Kind nicht ausreichend mit allen Nährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen versorgt wird, wie z.B. mit Fett oder auch Eisen.
  • Zu Beginn des BLW landet meistens erstmal eine Menge Essen auf den Boden, was eine Menge Schmutz und leider auch Verschwendung von Lebensmitteln nach sich zieht.
  • Bei zu großen Stücken besteht akute Verschluckungsgefahr.

Baby Led Weaning, ja oder nein?

Die offizielle Empfehlung der WHO lautet, dass Lebensmittel in verschiedenen Konsistenzen angeboten werden sollten, also sowohl als Brei als auch als Fingerfood. In dieser Zeit solltest Du Dein Baby allerdings auch weiterhin stillen bzw. ihm Säuglingsanfangsnahrung geben. Der Berufsverband der Kinder und Jugendärzte hingegen rät dazu Kindern Obst, Gemüse und Brot in Stücken erst anzubieten sobald sie kauen können. Ob BLW funktioniert, hängt dabei aber vor allem von den angebotenen Lebensmitteln ab.

Ist BLW denn jetzt besser für mein Baby als Brei zu füttern?

Beim BLW sind die Meinungen sehr gespalten. Eins ist jedoch sicher: Jedes Kind is(s)t anders. Das eine Kind liebt es die Lebensmittel beim BLW zu erkunden, während ein anderes Baby lieber den Brei bevorzugt. Als Elternteil ist es wichtig, dass Du die Signale Deines Kindes richtig deuten kannst. Wir empfehlen Dir Deinem Baby die Breimahlzeiten entsprechend dem Ernährungsfahrplan anzubieten und Deinem Kind gleichzeitig zu ermöglichen, dass es geeignete Lebensmittel vom Familientisch essen kann. Das Essen sollte dabei an den Nährstoffbedarf Deines Babys angepasst sein. Ein Entweder-oder ist gar nicht notwendig. BLW und Breikost lässt sich gut kombinieren. Damit Dein Baby alle und auch die richtigen Nährstoffe bekommt, empfiehlt das Forschungsinstitut für Kinderernährung Kinder zusätzlich zu stillen und mit geeigneten Breien zu füttern.