Vollmilch im ersten Lebensjahr

Um Milch ranken sich viele Mythen und Legenden. Wir assoziieren sie mit Schönheit, Stärke und Gesundheit – und es gibt sie in so vielen verschiedenen Formen. Muttermilch, Vollmilch, Kindermilch, Ziegenmilch oder auch Sojamilch. Die klassische Milch, die Kuhmilch, gilt als Lieferant essentieller Nährstoffe und Spurenelemente. Sie wird aber auch mit Gesundheitsrisiken, wie Allergien und Unverträglichkeiten, in Verbindung gebracht. Aber ist sie auch für Babys geeignet? Und wenn ja, ab wann?

Kuhmilch – was ist eigentlich drin?

Kuhmilch ist ein sehr komplexes und nährstoffreiches Lebensmittel. Sie besteht aus zahlreichen Proteinen sowie Kohlenhydraten, Vitaminen, Fett, Wasser und Spurenelementen. In unserer Ernährung sind Milch- und Milchprodukte jedoch in erster Linie Kalziumlieferanten. Dieser lebenswichtige Mineralstoff ist vor allem für ein stabiles Knochengerüst und gesunde Zähne Deines Babys verantwortlich. Pflanzliche Lebensmittel, wie Grünkohl oder Spinat, weisen ebenfalls Kalzium auf, jedoch nur in geringeren Mengen.

Braucht mein Baby Kuhmilch?

Mit der Einführung der Beikost stellt der Milch-Getreide-Brei die optimale Kalziumquelle dar. Die herkömmliche Trinkmilch hingegen wird von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) erst empfohlen, wenn Dein Baby ca. 10–12 Monate alt ist. Für Säuglinge ist Kuhmilch zum Trinken ungeeignet, da sie einen zu hohen Protein- und Mineralstoffgehalt besitzt und nicht reichhaltig genug an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Eisen und Jod ist. Für eine gesunde Entwicklung Deines Babys spielen diese Mikronährstoffe jedoch eine wichtige Rolle. Die Gabe zusätzlicher Milchprodukte kann aufgrund des hohen Proteingehalts im ersten Lebensjahr zudem die kindlichen Nieren belasten. Möchtest Du Deinem Baby mit 10 – 12 Monaten Kuhmilch geben, solltest Du allerdings darauf achten nur pasteurisierte oder hocherhitzte Milch zu verwenden, um Dein Kind vor gefährlichen Keimen, wie beispielsweise EHEC, zu schützen. Manche Kinder reagieren allerdings allergisch auf Kuhmilch. Aber woran erkenne ich eine Kuhmilchallergie?

Symptome einer Kuhmilchallergie

Eine Kuhmilchallergie zeigt sich auf sehr vielfältige Art und Weise. Leider sind die ersten Beschwerden anfänglich oft schwer zuzuordnen. Bei einer Kuhmilchallergie reagiert das Immunsystem der betroffenen Kinder auf das Eiweiß in der Milch. In vielen Fällen verliert sich die Allergie aber glücklicherweise noch im Kindesalter wieder. Folgende Symptome können Anzeichen dafür sein, dass Dein Baby auf Kuhmilch allergisch reagiert:

  • Hautreaktionen, wie Juckreiz und Ausschlag
  • Dein Baby weint und schreit viel
  • Magen-Darm-Probleme, wie Erbrechen, Blähungen, Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung
  • seltene Beschwerden können auch Kreislaufprobleme, Atemwegsbeschwerden, wie Asthma, oder ein anhaltender Schnupfen sein
  • Dein Baby hat nur wenig Energie oder Appetit
  • eine zu geringe Gewichtszunahme oder sogar eine Gewichtsabnahme
  • äußerst selten tritt der lebensbedrohliche anaphylaktische Schock ein. Dann solltest Du sofort ärztliche Hilfe holen!

Hast Du den Verdacht, dass Dein Baby auf Kuhmilch allergisch sein könnte, solltest Du umgehend einen Kinderarzt kontaktieren.

Bei acht von zehn Kindern verschwindet die Kuhmilchallergie im Kindesalter wieder. Viele Kinder, die allergisch auf Kuhmilch reagieren, zeigen meist auch eine allergische Reaktion auf Ziegenmilch. Für die Säuglingsnahrung sind Ziegen-, Schafs- oder Stutenmilch aber sowieso absolut ungeeignet! Gleiches gilt übrigens auch für Soja-, Reis-, Dinkel-, Mandel- und Hafermilch. Die Nährstoffzusammensetzung dieser Milchalternativen ist für Babys ungünstig.

Die partiell hydrolysierte Säuglingsersatznahrung (HA-Nahrung) hingegen ist nur für Kinder geeignet, die ein erhöhtes Risiko besitzen an einer Kuhmilchallergie zu erkranken. Babys, die bereits unter einer Kuhmilchallergie leiden, dürfen die HA-Nahrung nicht erhalten, da sie immer noch Teile des Kuhmilcheiweißes enthält.

Unter folgendem Link kannst Du einen Allergie-Risiko-Check für Dein Baby machen.

Was sind die Ursachen einer Kuhmilchallergie?

Das Immunsystem eines Kindes reagiert mit einer Überreaktion auf das Eiweiß in der Kuhmilch, weil es dieses als etwas Gefährliches einstuft. Das löst anschließend die allergischen Symptome aus. In der Milch kommen viele verschieden Eiweiße vor: Kasein, β-Laktoglobulin, α-Laktoglobulin, Laktoferrin, Rinder-Serumalbumine und Immunglobuline. Die meisten Allergien werden durch Kasein und β-Laktoglobulin ausgelöst. Manche Babys reagieren aber auch auf mehrere Eiweiße. Wenn Kuhmilch bei Deinem Baby eine allergische Reaktion auslöst, kann sich das in zwei Formen äußern.

Allergie-Typ-1:

Bei diesem Allergie-Typ kommt es zu einer Sofortreaktion. Das bedeutet, dass Dein Baby unmittelbar nachdem es Kuhmilch zu sich genommen hat, eines oder mehrere der oben genannten Symptome aufzeigt. In etwa 50% der Fälle kommt es zu einer Sofortreaktion, eine Reaktion zeigt sich dann innerhalb von wenigen Minuten.

Allergie-Typ-4:

Bei diesem Allergie-Typ ist die Reaktion deutlich verzögerter. Eine so genannte Spätreaktion zeigt sich erst nach Stunden, manchmal sogar erst nach Tagen.

Was die konkreten Ursachen für eine Kuhmilchallergie sind, ist leider noch nicht hinreichend erforscht. Allerdings besitzen allergiegefährdete Kinder bei einem zu frühen Kontakt mit Kuhmilch ein höheres Risiko eine Allergie zu entwickeln. Ein Grund ist aber wahrscheinlich, dass das Immunsystem und der Magen-Darm-Trakt von Babys noch nicht ausgereift sind, weshalb potentielle Allergene es leichter haben den kleinen Körper zu gefährden. Das eine Allergie beim Stillen aufgrund der Ernährung der Mutter ausgelöst wird, ist eher unwahrscheinlich. Im Gegenteil gilt Stillen sogar als eine der effektivsten Maßnahmen zur Vorbeugung von Allergien.

Kuhmilchallergie vs. Laktoseintoleranz

Eine Kuhmilchallergie und eine Laktoseintoleranz sind nicht das Gleiche. Bei einer Kuhmilchallergie sind Kinder allergisch auf ein oder mehrere Eiweiße in der Kuhmilch. Bei einer Laktoseintoleranz hingegen liegt eine Unverträglichkeit gegen den Milchzucker, auch Laktose genannt, vor. Den Betroffenen fehlt in diesem Fall das Enzym Laktase, welches den Milchzucker (Laktose) in weitere Bestandteile spalten kann. Ohne das Enzym Laktase ist keine Spaltung möglich und die Laktose kann nicht aufgenommen werden. Der ungespaltene Milchzucker gelangt in den Dickdarm, wo er von Bakterien vergoren wird. Menschen mit einer Laktoseintoleranz bekommen dadurch oftmals Blähungen und schlimme Bauchschmerzen. Auch wenn die Symptome oft ähnlich sind, handelt es sich hierbei um zwei verschiedene Erkrankungen.

Was hilft bei einer Kuhmilchallergie?

Hast Du den Verdacht, dass Dein Baby eine Kuhmilchallergie besitzt, solltest Du das umgehend von einem allergologisch spezialisierten Kinderarzt abklären lassen. Der Kinderarzt wird dann entsprechende Tests durchführen und alles Weitere mit Dir besprechen. Eine Kuhmilchallergie lässt sich leider nicht heilen. Die Symptome und Beschwerden können nur verhindert werden, wenn Kuhmilch und alle daraus hergestellten Produkte gemieden werden. Die Kuhmilch im Milch-Getreide-Brei wird dann meistens durch eine hochwertige, hypoallergene Spezialnahrung ersetzt. Eine solche Umstellung sollte aber immer von einem Kinderarzt begleitet werden. Bei vielen Kindern entwickelt sich eine Kuhmilchallergie wieder von selbst zurück, wenn nicht, muss allerdings weiterhin auf Kuhmilchprodukte verzichtet werden. Ein Arzt kann dies mittels eines Provokationstest feststellen.

Wie kann ich das Risiko einer Erkrankung senken?

Die Vermeidung von Tabakrauch und das Stillen sind die beiden besten Maßnahmen, um die Entwicklung einer Allergie vorzubeugen. In den ersten Lebensmonaten sollte Dein Baby darüber hinaus keine Kuhmilch erhalten. Mit der Einführung der Beikost ist Dein Kind zwischen dem 6.-8. Monat bereit für den Milch-Getreide-Brei. Ein verzögerter Kontakt mit Kuhmilch schützt Dein Baby nicht vor möglichen Allergien. Es wird davon ausgegangen, dass die frühzeitige Einführung potentieller Nahrungsmittelallergene sich sogar positiv auf die Toleranzentwicklung auswirkt. Muttermilch oder ersatzweise Säuglingsmilchnahrung versorgt Dein Baby die ersten 4-6 Monate erst einmal mit allen wichtigen Nährstoffen und Spurenelementen. Besitzt Dein Kind ein erhöhtes Risiko an einer Kuhmilchallergie zu erkranken, ist es am sinnvollsten auf HA-Nahrung zurückzugreifen. Halte dabei jedoch vorab Rücksprache mit einem Kinderarzt.

Wenn Du noch mehr über das Thema Allergieentwicklung wissen möchtest, dann findest Du auf unserem Blog den Artikel Allergien vorbeugen – was kann ich als Mutter tun?, der viele weitere interessante Informationen bereithält.