Sieben Irrtümer rund um das Thema Babybrei und Beikost

Rund um das Thema Babybrei und Beikost gibt es viele Irrtümer. Was wirklich richtig und falsch ist, ist für Eltern oft schwer zu erkennen. Hier werden sieben dieser Irrtümer aufgedeckt und richtiggestellt.

Doch am allerwichtigsten ist, dass Du weißt, dass es für Dein Kind und Euch als Familie nicht den einen vorgeschriebenen Weg gibt, der richtig ist. Für Dich ist es wichtig, dass Du einen guten Blick auf Dein Kind hast und verstehen lernst, was dein Kind für Bedürfnisse und Wünsche hat. Die wichtigste elterliche Aufgabe in Bezug auf das Thema ist, dem eigenen Kind zu vertrauen und geduldig zu sein. Am besten man verabschiedet sich schon vor dem Start der Beikostzeit von fixen Vorstellungen und festen Zeitplänen und lässt sich ganz auf sein Kind ein. Alles hat seine Zeit und so auch das Essenlernen.

„Man sollte ab dem 4. Monat Brei füttern!“

Der richtige Zeitpunkt für die Einführung von fester Kost ist sehr individuell und eine pauschale Antwort auf die Frage, wann der richtige Zeitpunkt ist, kann nicht gegeben werden. Auch die Experten haben darüber verschiedene Ansichten. Doch nach aktuellem Wissensstand ist man sich einig: Brei und andere feste Kost sollten auf keinen Fall vor Beendigung des vierten Lebensmonats,  also frühestens mit Beginn des fünften Lebensmonats gegeben werden. Außerdem sollte spätestens während des siebten Lebensmonats Beikost angeboten werden.

„Es sollte mit einem bestimmten Brei begonnen werden!“

Es gibt verschiedene Pläne, die vorgeben, dass mit einem bestimmten Brei, zum Beispiel dem Mittagsbrei, bestehend aus Gemüse und Fleisch, begonnen werden sollte und nach einiger Zeit, etwa einigen Tagen oder Wochen, ein weiterer Brei eingeführt werden sollte. Diese Pläne sind letztendlich überholt und der aktuelle Wissensstand ist, dass Kinder den Brei zu der Tageszeit bekommen dürfen und sollen, der ihnen gut bekommt und der ihnen gut tut. Dies kann auch von Tag zu Tag wechseln. Wichtig ist, dass dem Kind Brei angeboten wird und es selbst entscheiden kann, ob und wie viel es essen möchte. Da Kindern im Allgemeinen Rhythmus und Rituale gut tun, macht es dennoch Sinn, dem Kind regelmäßig ein ähnliches Angebot zu machen, auf das es sich verlassen kann; dies unter Berücksichtigung der familiären Situation und der Bedürfnisse des Kindes. Meist lernen die Eltern ziemlich schnell zu erkennen, was das Baby wann mag und was nicht. Auch der Grundgedanke, dem Kind zunächst einen gehaltvollen Brei am Mittag (bestehend aus Gemüse und ggf. Fleisch) anzubieten, macht Sinn, da durch diesen Brei ein großer Teil des Nährstoffbedarfs gedeckt wird. Aber es muss eben auch zu den Bedürfnissen des Kindes und dem Tagesablauf der Familie passen.

„Es sollten immer nur einzelne Lebensmittel neu eingeführt werden!“

Früher wurde jungen Eltern empfohlen nur nach und nach neue Lebensmittel einzuführen, um zu sehen, wie das Kind das neu eingeführte Lebensmittel verträgt. Heute geht man anders herum an die Sache: es wird davon ausgegangen, dass gesunde Kinder die angebotenen Lebensmittel vertragen. Sollte bei einem Kind eine Unverträglichkeit oder Allergie vermutet werden, wird nach dieser gesucht.

„Die erste feste Kost muss Brei sein!“

Heute wissen wir: die Konsistenz der Beikost ist nicht relevant. Ob die gedünstete Karotte nun püriert ist und mit dem Löffelchen gefüttert wird oder ob die kleine Babyhand die Karotte als Ganzes zum Mund führt und im Gaumen zerdrückt, spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass es dem Kind entspricht. Wenn ein Baby gerne Brei isst und sich füttern lässt, ist das wunderbar. Doch wenn Kinder dies nicht mögen, sollten sie auf keinem Fall dazu gezwungen werden. Es gibt einige Lebensmittel, die auch schon die Kleinsten selber essen können – sogar ohne Zähne. Das so genannte Baby led weanig wird immer beliebter und für viele Kinder, die Brei verweigern, ist es eine gute Möglichkeit, an die Beikost herangeführt zu werden. Ernährungswissenschaftlich spricht gegen diese Art von Fingerfood nichts. Allerdings müssen einige Grundregeln zu dem Thema Baby led weaning beachtet werden.

„Die Breimenge sollte mit der Zeit stetig erhöht werden.“

Bei Essanfängern ist es ähnlich wie bei Erwachsenen: Hunger und Appetit variieren von Tag zu Tag und sind von vielen Faktoren abhängig. Es kann also sein, dass ein Kind an einem Tag eine große Portion verspeist und am nächsten Tag eine sehr kleine. Andersherum kann es sein, dass ein Kind beständig kleine Portionen benötigt oder große. Manche steigern ihre Nahrungsmenge ganz natürlich mit der Zeit. All das hat seine Richtigkeit. Bei den Eltern ist Geduld gefragt und das Vertrauen in das eigene Kind. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Wichtig ist, dass das Kind ein Angebot hat und selbst wählen kann, wie viel es davon essen möchte.

„Zum Essen gehören Babys in den Hochstuhl!“

Egal wie alt ein Essanfänger ist und ob er mit Brei gefüttert wird oder Fingerfood zu sich nimmt: er sollte aufrecht sitzen und immer von einem Erwachsenen beobachtet werden. Je nach körperlicher Entwicklung können Kinder zu Beginn der Beikostzeit noch nicht selbstständig sitzen. Damit ist gemeint, dass sie noch nicht ohne Hilfe in eine sitzende Position kommen können. Diese Kinder sollten nicht hingesetzt werden, da der Rücken die Belastung noch nicht aushalten kann. Stattdessen sollten sie von einem Erwachsenen auf den Schoß genommen, gehalten und gefüttert werden. Erst wenn sie sich selbst hinsetzen können, sollten sie in einen Hochstuhl gesetzt werden.

„Durch die Beikost braucht das Baby weniger Milch und es kann schnell abgestillt werden!“

Bei der Beikost handelt es sich um ein Zusatzangebot zu der Muttermilch bzw. Säuglingsmilch. Kinder sind während des gesamten ersten Jahres Säuglinge und ihre hauptsächliche Nahrung ist Muttermilch bzw. Säuglingsmilch. Beikost dient dem Kennenlernen der festen Kost und dem langsamen Heranführen daran. Die Milch bleibt jedoch wichtigste Nahrungsquelle und das Kind sollte weiterhin nach Bedarf gestillt werden beziehungsweise Säuglingsmilch trinken. Damit dient die Beikosteinführung nicht dem Abstillen – im Gegenteil: es ist von großem Vorteil die Beikost unter dem Schutz von Muttermilch einzuführen. Wenn eine Mutter abstillen möchte, sollte sie einen anderen Weg wählen (dazu kann sie sich von einer Hebamme oder Stillberaterin beraten lassen). Auf längere Zeit ist es ein natürlicher Prozess, dass das Kind immer mehr feste Kost und irgendwann komplett die Familienkost zu sich nimmt und keine Mutter- oder Säuglingsmilch mehr braucht. Die meisten Kinder können ihren Nährstoffbedarf erst im zweiten Lebensjahr vollständig durch feste Kost decken.