Dreck reinigt den Magen

“Dreck reinigt den Magen?” – Sollte mein Baby also alles probieren was es in die Hände bekommt?

Dreck reinigt den Magen – das hat doch schon Oma früher immer gesagt. Aber handelt es sich hierbei um eine Binsenweisheit oder doch um eine medizinische Tatsache? Kindern macht es in der Regel nichts aus, wenn Essen auf den Boden fällt. Sie stecken es sich trotzdem gern in den Mund. Aber wie viel Dreck ist gesund? Und wie viel Hygiene ist zuviel?

Benötigt der Magen Dreck?

Neben Sandkörnern und Erde befinden sich auch Bakterien, Pollen, Parasiten, Viren oder Pilze in Schmutz. Manche davon besitzen in der Tat das Potential Krankheiten auszulösen. Zum Glück hat der Körper aber einige Barrieren errichtet, damit dies nicht so leicht möglich ist. Der Speichel Deines Kindes tötet im Mund bereits die ersten Bakterien ab. Im Magen ergeht es den Keimen dann nicht besser. Mit Hilfe der Magensäure zersetzt der Magen nämlich weitere Bakterien. Er selbst benötigt also keine Reinigung – der Magen reinigt sich von selbst. Im Darm werden nun die letzten überlebenden Keime durch Abwehrzellen der Darmschleimhaut zersetzt. Gegen besonders aggressive Keime kann jedoch auch der Kinder Körper nicht immer etwas ausrichten, denn das kindliche Immunsystem muss sich erst noch entwickeln.

Trainiert Schmutz das Immunsystem?

Das Immunsystem Deines Babys wird in der Tat stärker wenn es vermehrt mit Keimen in Kontakt kommt. Dabei ist es erstmal egal, ob die Keime eingeatmet werden oder auf der Haut sitzen. Dies bedeutet jetzt aber nicht, dass Du Dein Kind eine Extraportion Schmutzt essen lassen solltest. In wissenschaftlichen Studien konnte aber gezeigt werden, dass Kinder die auf dem Bauernhof aufwachsen, später seltener unter Asthma oder Allergien zu leiden haben. Stadtkinder kommen in der Regel deutlich weniger mit Parasiten wie beispielsweise Würmern in Kontakt. Das Immunsystem wird aber genau durch diese Kontakte gestärkt. Zudem ist es nach heutigen Erkenntnissen nicht notwendig ein normales Maß an Hausstaubmilben zu bekämpfen. Zuviel Hygiene und Sauberkeit kann dazu führen, dass sich das Immunsystem Deines Kindes “langweilt”, weil weniger “Eindringlinge” bekämpft werden müssen. Hierdurch wird die Entwicklung von Allergien gefördert.

Welche Bakterien sind gefährlich für mein Kind?

Neben dem Schmutz mit dem Dein Kind beim Spielen zwangsläufig in Kontakt kommt, gibt es noch andere Keimquellen die leider immer wieder für Schlagzeilen sorgen. Die Rede ist von verunreinigten Lebensmitteln. Es gibt einige Bakterien die für Dein Baby sehr gefährlich werden können, da die Verunreinigungen der Gesundheit Deines Babys schaden können.  Dazu zählen Salmonellen, Noroviren, EHEC oder auch Listerien. Im folgenden Abschnitt findest Du eine Liste von Lebensmitteln, die Dein Baby im ersten Lebensjahr noch nicht essen sollte.

Vorsichtsmaßnahmen vor Lebensmittelinfektionen

  • Rohes Hackfleisch wie Schweinemett, Rohwursterzeugnisse wie Salamie oder Mettwurst und teil-gegartes Fleisch wie z.B. Roastbeef sind für Dein Kind absolut ungeeignet. Bei Fisch und Fleisch solltest Du immer darauf achten, dass es voll gegart ist.
  • Gleiches gilt für Geflügel. Immer gut durchgaren und das Abtauwasser weggießen.
  • Rohmilch- und Rohmilcherzeugnisse wie Weichkäse (z.B. Limburger oder Camembert) haben bei Deinem Baby nichts auf dem Speiseplan verloren.
  • Achte bei allen Produkten stets auf das Mindesthaltbarkeitsdatum.
  • Verdorbene Lebensmittel solltest Du immer entsorgen.
  • Rohe Sprossen sind für Kleinkinder ebenfalls nicht geeignet. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, dass Sprossen ebenfalls gegart werden sollte.
  • Pistazien sind häufig von Schimmelpilzen befallen. Im ersten Lebensjahr sollten sie bei Deinem Baby jedoch generell nicht auf dem Speiseplan stehen.
  • Tiefgekühlte Himbeeren können Noroviren enthalten, weshalb sie für Dein Baby ungeeignet sind.

Hygiene Tipps für Eltern

Für die Entwicklung eines starken Immunsystems sind ein paar Keime in der Tat wichtig. Dein Baby benötigt trotzdem keine Extraportion Schmutz. Die Keime die in der natürlichen Umgebung Deines Kindes vorkommen, sind dafür vollkommen ausreichend. Ein gewisses Maß an Sauberkeit und Hygiene sollte trotzdem selbstverständlich sein. Denn zu viele Keime können Deinem Kind eher schaden anstatt die Abwehrkräfte zu fördern.

Worauf solltest Du bei der Zubereitung von Säuglingsmilchnahrung achten?

Das Fläschchen Deines Kindes solltest Du bis zum 4. Monat auf jeden Fall auskochen und im Anschluss daran sterilisieren, denn Bakterien und Pilze vermehren sich dort besonders gern. Nach dem 4. Lebensmonat reicht es aus das Fläschchen gründlich mit Spülmittel, warmen Wasser und einer Flaschenbürste auszuspülen. Achte darauf, dass Du das Fläschchen hinterher gut abtrocknest. Wenn Du es kopfüber auf ein Tuch stellst, welches Du bei 60° C gewaschen hast, bleibt das Fläschchen ca. 24 Stunden keimfrei.

Wir empfehlen Dir Babymilch immer mit abgekochten Wasser und jedes Mal frisch zuzubereiten. Reste sollten nicht noch einmal verwendet werden, denn in einem Fläschchen das lange bei Zimmertemperatur steht, vermehren sich Keime besonders schnell. Aus diesem Grund solltest Du ein angefangenes Fläschchen nicht länger als eine Stunde stehen lassen.

Wie sauber sollte es für Krabbelkinder sein?

Regelmäßiges Staubsaugen und die Verwendung eines umweltfreundlichen Allzweckreinigers sind völlig ausreichend, um für Dein Baby eine saubere Umgebung zu schaffen. Fällt der Schnuller zuhause mal auf den Boden reicht es in der Regel aus ihn einfach kurz abzuspülen. Passiert das Ganze unterwegs, solltest Du vorsichtshalber einen Ersatzschnuller parat haben. Beim Spielen im Sandkasten nehmen Kinder gern mal etwas mehr Sand in den Mund. Dann ist es meistens ausreichend Deinem Baby einfach kurz den Mund auszuspülen. Sollte Dein Kind beim Planschen in der Badewanne mal etwas Wasser verschluckt haben, ist das meistens unbedenklich. Achte nur darauf, dass es kein Wasser aus der Quitsche-Ente saugt, denn steht das Wasser dort schon zu lang, kann es passieren, dass die Ente bereits schimmelt.

Wann beginne ich mit der Zahnpflege?

Wenn Dein Baby mit etwa einem halben Jahr seinen oder ihren ersten Zahn bekommt, kannst Du direkt mit dem Putzen starten. Eine kleine weiche Zahnbürste mit etwas Wasser und ein wenig Zahnpasta ist für den Beginn in der Regel ausreichend.

Fazit

Am Sprichwort “Dreck reinigt den Magen” ist in der Tat etwas dran. Dein Baby sollte aber natürlich trotzdem in einer sauberen Umgebung aufwachsen. Mit normalem Schmutz wird das Abwehrsystem aber allemal fertig. Also lass Dein Kind ruhig buddeln, planschen, krabbeln und seine Umwelt mit allen Sinnen wahrnehmen.