Die Bedeutung von Hunger, Sättigung und Appetit für Kleinkinder

Für Kinder ist das Essenlernen in den ersten Lebensjahren ebenso wichtig wie etwa das Sprechenlernen. Bei dem Essenlernen geht es dabei nicht nur darum, die richtige „Technik“, also die Benutzung von Besteck oder Glas zu erlernen, sondern um viel mehr. Es geht auch darum, sich selbst und die eigenen Bedürfnisse kennen zu lernen. Und dabei spielen die Gefühle von Hunger und Sättigung sowie das Gefühl von Appetit eine entscheidende Rolle.

Dir als Elternteil kommt dabei eine große Verantwortung zu. Denn wir Eltern legen den Grundstein für eine gesunde Einstellung unserer Kinder dem Essen gegenüber und damit auch körperlicher Gesundheit und einem guten Körpergefühl.

Was ist Hunger?

Körperlicher Hunger ist ein körperliches Gefühl, das anzeigt, dass Nahrung gebraucht wird, um die Körperfunktionen aufrechtzuerhalten. Dieses Gefühl wird sehr unterschiedlich empfunden; was jedoch viele kennen, ist das sogenannte Magenknurren. Dieses Geräusch wird umso lauter, desto weniger der Magen gefüllt  ist. Die Magenwände bewegen sich zunehmend stärker und verursachen dieses Geräusch. Ausschlaggebend für die Stärke das Hungergefühls ist jedoch nicht die Fülle des Magens, sondern vielmehr der sinkende Blutzuckerspiegel. Insgesamt spielen verschiedene Faktoren bei dem Hungergefühl eine Rolle. Auch die Psyche spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Hunger beziehungsweise der Empfindung des Hungers.

Was ist Sättigung?

Wenn der Hunger gesättigt ist, also dem Körper genug Nahrung zugeführt wurde, setzt während der Mahlzeit ein Gefühl der Sättigung ein. Der Körper gibt einen eindeutigen Hinweis, die Mahlzeit zu beenden. Dieses Sättigungsgefühl wird wiederum ebenso wie das Hungergefühl durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Viele Menschen verlernen es, das Gefühl von Sättigung zu spüren und übergehen es. Dies kann langfristig schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben, weil sie dadurch stets zu viel essen und Übergewicht aufbauen und damit verbundene Krankheiten gehäuft auftreten.

Was ist Appetit?

Appetit ist ein mentales Phänomen, das die Lust oder das Bedürfnis auf  eine bestimmtes Lebensmittel oder eine Mahlzeit ausdrückt. Hierbei geht es anders als beim Hunger nicht um eine körperliche Sättigung, also eine Nahrungsaufnahme, um die körperlichen Funktionen aufrechtzuerhalten, sondern um einen von Sinneswahrnehmungen beeinflussten Wunsch etwas zu essen.

Vielleicht fragst Du dich nun, warum diese Informationen für dich wichtig sein sollen. Das ist ganz einfach: unsere Kinder kommen mit einem sehr gesunden Gefühl für sich und ihre körperlichen Bedürfnisse auf die Welt. Sie empfinden Hunger, Sättigung und Appetit deutlich. Es ist ihnen also angeboren, genau zu spüren, was sie brauchen, wann sie es brauchen und wie viel sie davon brauchen. Kinder würden sich ohne Beeinflussung von außen nicht überessen und würden auch nicht zu  wenig essen. Doch viele von ihnen werden schon von Beginn an davon abgebracht, auf ihre Bedürfnisse zu hören und so verlernen sie sehr schnell, was sie eigentlich wissen. Deine Aufgabe ist also eigentlich ganz einfach: Vertraue  Deinem Kind und seinem Wissen über seine Bedürfnisse. Zwinge es nicht in ein starres „System“, welches vorsieht, was und wie viel Dein Kind essen muss.

Um es besser verständlich zu machen, hier einige Ideen zur Gestaltung des Essens und der Gestaltung des Essenlernens:

  1. Du bestimmst, was auf dem Tisch landet. Dein Kind entscheidet, wie viel es davon essen möchte. Das beinhaltet natürlich die Voraussetzung, dass auf dem Tisch das steht, was Deinem Kind guttut. Das sind abwechslungsreiche Mahlzeiten, die verschiedene Komponenten beinhalten. Denn eine Deiner wichtigsten Aufgaben ist es, das Angebot zu stellen. Dass ein Kind selbstbestimmt nach den eigenen Bedürfnissen essen kann, setzt natürlich voraus, dass es ein Angebot zur Auswahl hat. Hier ist Geduld gefragt und es ist Deine Aufgabe dafür zu sorgen, dass es immer wieder ein abwechslungsreiches Angebot gibt. Manch ein Lebensmittel wird Wochen lang abgelehnt und steht dann plötzlich ganz hoch im Kurs.
  2. Um die eigenen Bedürfnisse zu spüren, ist es wichtig, dass Kinder ihre körperlichen Signale spüren können. Dazu gehört unbedingt das Gefühl von Hunger. Nur wenn Kinder Hunger – also das Gefühl, Nahrung zu brauchen – kennen,  wissen sie, wann sie etwas zu essen brauchen. Gerade kleine Kinder, die ständig etwas zu essen in der Hand halten (im Kinderwagen ein Keks zum Knabbern, nach dem Besuch beim Bäcker ein Brötchen auf die Hand, zur Ablenkung ein Quetschi zum Aussaugen…), kennen das Gefühl von Hunger nicht mehr, da ihr Blutzuckerspiegel nie wirklich absinken kann und ständig aufrechterhalten wird.

Es ist also notwendig, dass es Pausen zwischen den Mahlzeiten gibt, in denen nicht gegessen wird, damit bei einsetzendem Hunger das Bedürfnis gestillt werden kann. Oft reichen drei Hauptmahlzeiten und 2 Zwischenmahlzeiten während des Tages. Achte hier aber bitte auf Dein Kind, ob die Verteilung so passt.

  1. Zwinge Dein Kind niemals mehr zu essen, als es möchte, oder gar so lange zu essen, bis der Teller leer ist. Animiere es nicht zum Essen, etwa durch Spielchen oder „ein Löffelchen für Oma… ein Löffelchen für Papa…“ Dies lenkt Dein Kind von seinem Körpergefühl ab. An manchen Tagen isst dein Kind vielleicht riesige Portionen, an anderen kaum etwas. Das ist ganz normal. Auch an dieser Stelle brauchst Du vielleicht eine Menge Geduld, aber sie wird sich auszahlen. Lass Dein Kind immer selbst bestimmen, wie viel es essen möchte.
  2. Achte darauf, dass Dein Kind sich auf sein Essen und sein Körpergefühl konzentrieren kann und nicht abgelenkt wird. Das Essen sollte im Sitzen am Tisch stattfinden und nicht routinemäßig im Kinderwagen, dem Auto oder während des Spielens. Es sollte weder der Fernseher oder das Radio neben dem Essen laufen noch mit dem Smartphone hantiert werden.
  3. Du bist ein Vorbild für Dein Kind. Achte beim Essen darauf, das zu essen, was dir gut tut. Nimm dir die Zeit und die Ruhe, um bewusst zu essen und auf Deine Bedürfnisse zu hören.

Die wichtigste Grundlage für Dich ist es, Deinem Kind zu vertrauen. Verabschiede dich von starren Vorstellungen, was und vor allem wie viel Dein Kind essen sollte. Schaffe einen Rahmen, der Deinem Kind ermöglicht, sich mit den Gefühlen von Hunger und Sättigung vertraut zu machen und nach diesen Gefühlen selbst zu entscheiden, was es isst. Hunger ist kein negatives Gefühl, das es gilt zu verhindern, sondern eine wichtige Hilfe, um körperlich und psychisch gesund zu bleiben.