Für Kinder ist das Essenlernen in den ersten Lebensjahren ebenso wichtig wie etwa das Sprechenlernen. Bei dem Essenlernen geht es dabei nicht nur darum, die richtige „Technik“, also die Benutzung von Besteck oder Glas zu erlernen, sondern um viel mehr. Es geht auch darum, sich selbst und die eigenen Bedürfnisse kennen zu lernen. Und dabei spielen die Gefühle von Hunger und Sättigung sowie das Gefühl von Appetit eine entscheidende Rolle.

Dir als Elternteil kommt dabei eine große Verantwortung zu. Denn wir Eltern legen den Grundstein für eine gesunde Einstellung unserer Kinder dem Essen gegenüber und damit auch körperlicher Gesundheit und einem guten Körpergefühl.

Was ist Hunger?

Körperlicher Hunger ist ein körperliches Gefühl, das anzeigt, dass Nahrung gebraucht wird, um die Körperfunktionen aufrechtzuerhalten. Dieses Gefühl wird sehr unterschiedlich empfunden; was jedoch viele kennen, ist das sogenannte Magenknurren. Dieses Geräusch wird umso lauter, desto weniger der Magen gefüllt  ist. Die Magenwände bewegen sich zunehmend stärker und verursachen dieses Geräusch. Ausschlaggebend für die Stärke das Hungergefühls ist jedoch nicht die Fülle des Magens, sondern vielmehr der sinkende Blutzuckerspiegel. Insgesamt spielen verschiedene Faktoren bei dem Hungergefühl eine Rolle. Auch die Psyche spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Hunger beziehungsweise der Empfindung des Hungers.

Was ist Sättigung?

Wenn der Hunger gesättigt ist, also dem Körper genug Nahrung zugeführt wurde, setzt während der Mahlzeit ein Gefühl der Sättigung ein. Der Körper gibt einen eindeutigen Hinweis, die Mahlzeit zu beenden. Dieses Sättigungsgefühl wird wiederum ebenso wie das Hungergefühl durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Viele Menschen verlernen es, das Gefühl von Sättigung zu spüren und übergehen es. Dies kann langfristig schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben, weil sie dadurch stets zu viel essen und Übergewicht aufbauen und damit verbundene Krankheiten gehäuft auftreten.

Was ist Appetit?

Appetit ist ein mentales Phänomen, das die Lust oder das Bedürfnis auf  eine bestimmtes Lebensmittel oder eine Mahlzeit ausdrückt. Hierbei geht es anders als beim Hunger nicht um eine körperliche Sättigung, also eine Nahrungsaufnahme, um die körperlichen Funktionen aufrechtzuerhalten, sondern um einen von Sinneswahrnehmungen beeinflussten Wunsch etwas zu essen.

Vielleicht fragst Du dich nun, warum diese Informationen für dich wichtig sein sollen. Das ist ganz einfach: unsere Kinder kommen mit einem sehr gesunden Gefühl für sich und ihre körperlichen Bedürfnisse auf die Welt. Sie empfinden Hunger, Sättigung und Appetit deutlich. Es ist ihnen also angeboren, genau zu spüren, was sie brauchen, wann sie es brauchen und wie viel sie davon brauchen. Kinder würden sich ohne Beeinflussung von außen nicht überessen und würden auch nicht zu  wenig essen. Doch viele von ihnen werden schon von Beginn an davon abgebracht, auf ihre Bedürfnisse zu hören und so verlernen sie sehr schnell, was sie eigentlich wissen. Deine Aufgabe ist also eigentlich ganz einfach: Vertraue  Deinem Kind und seinem Wissen über seine Bedürfnisse. Zwinge es nicht in ein starres „System“, welches vorsieht, was und wie viel Dein Kind essen muss.

Um es besser verständlich zu machen, hier einige Ideen zur Gestaltung des Essens und der Gestaltung des Essenlernens:

  1. Du bestimmst, was auf dem Tisch landet. Dein Kind entscheidet, wie viel es davon essen möchte. Das beinhaltet natürlich die Voraussetzung, dass auf dem Tisch das steht, was Deinem Kind guttut. Das sind abwechslungsreiche Mahlzeiten, die verschiedene Komponenten beinhalten. Denn eine Deiner wichtigsten Aufgaben ist es, das Angebot zu stellen. Dass ein Kind selbstbestimmt nach den eigenen Bedürfnissen essen kann, setzt natürlich voraus, dass es ein Angebot zur Auswahl hat. Hier ist Geduld gefragt und es ist Deine Aufgabe dafür zu sorgen, dass es immer wieder ein abwechslungsreiches Angebot gibt. Manch ein Lebensmittel wird Wochen lang abgelehnt und steht dann plötzlich ganz hoch im Kurs.
  2. Um die eigenen Bedürfnisse zu spüren, ist es wichtig, dass Kinder ihre körperlichen Signale spüren können. Dazu gehört unbedingt das Gefühl von Hunger. Nur wenn Kinder Hunger – also das Gefühl, Nahrung zu brauchen – kennen,  wissen sie, wann sie etwas zu essen brauchen. Gerade kleine Kinder, die ständig etwas zu essen in der Hand halten (im Kinderwagen ein Keks zum Knabbern, nach dem Besuch beim Bäcker ein Brötchen auf die Hand, zur Ablenkung ein Quetschi zum Aussaugen…), kennen das Gefühl von Hunger nicht mehr, da ihr Blutzuckerspiegel nie wirklich absinken kann und ständig aufrechterhalten wird.

Es ist also notwendig, dass es Pausen zwischen den Mahlzeiten gibt, in denen nicht gegessen wird, damit bei einsetzendem Hunger das Bedürfnis gestillt werden kann. Oft reichen drei Hauptmahlzeiten und 2 Zwischenmahlzeiten während des Tages. Achte hier aber bitte auf Dein Kind, ob die Verteilung so passt.

  1. Zwinge Dein Kind niemals mehr zu essen, als es möchte, oder gar so lange zu essen, bis der Teller leer ist. Animiere es nicht zum Essen, etwa durch Spielchen oder „ein Löffelchen für Oma… ein Löffelchen für Papa…“ Dies lenkt Dein Kind von seinem Körpergefühl ab. An manchen Tagen isst dein Kind vielleicht riesige Portionen, an anderen kaum etwas. Das ist ganz normal. Auch an dieser Stelle brauchst Du vielleicht eine Menge Geduld, aber sie wird sich auszahlen. Lass Dein Kind immer selbst bestimmen, wie viel es essen möchte.
  2. Achte darauf, dass Dein Kind sich auf sein Essen und sein Körpergefühl konzentrieren kann und nicht abgelenkt wird. Das Essen sollte im Sitzen am Tisch stattfinden und nicht routinemäßig im Kinderwagen, dem Auto oder während des Spielens. Es sollte weder der Fernseher oder das Radio neben dem Essen laufen noch mit dem Smartphone hantiert werden.
  3. Du bist ein Vorbild für Dein Kind. Achte beim Essen darauf, das zu essen, was dir gut tut. Nimm dir die Zeit und die Ruhe, um bewusst zu essen und auf Deine Bedürfnisse zu hören.

Die wichtigste Grundlage für Dich ist es, Deinem Kind zu vertrauen. Verabschiede dich von starren Vorstellungen, was und vor allem wie viel Dein Kind essen sollte. Schaffe einen Rahmen, der Deinem Kind ermöglicht, sich mit den Gefühlen von Hunger und Sättigung vertraut zu machen und nach diesen Gefühlen selbst zu entscheiden, was es isst. Hunger ist kein negatives Gefühl, das es gilt zu verhindern, sondern eine wichtige Hilfe, um körperlich und psychisch gesund zu bleiben.


Mit Essen spielt man nicht. Oder doch. Oder wie? Worum geht es beim Essen bei Kleinkindern eigentlich? Um Tischmanieren? Um Freude beim Essen? Oder darum, dass das Kind möglichst viel zu sich nimmt? Oft ist uns Eltern zu Beginn der Beikostzeit  gar nicht so klar, worum es da eigentlich geht. Und tatsächlich ist es in jeder Familie auch ein bisschen anders – ist die Stimmung während der Mahlzeiten gelöst und stehen das Miteinander und der Genuss im Mittelpunkt oder geht es eher ruhig und gesittet zu? Wie auch immer das bei Dir der Fall ist – es gibt Grundsätze zu einem guten Umgang mit dem Spielen beim Essen. Auch wenn es nicht die eine richtige Lösung für alle Familien gibt.

Das selbstständige Essen ist für jedes Kind ein wichtiger Entwicklungsschritt in seiner Sozialisation. Und während dieser Entwicklung gibt es so einiges zu lernen. Vom Trinken aus dem Glas oder der Tasse über das Halten des Bestecks bis dahin, sich um die Sauberkeit der eigenen Kleidung und des Essplatzes zu kümmern. Bis Kinder dies alles beherrschen, vergehen einige Monate und Jahre. Du als Elternteil hast die Aufgabe, dein Kind dabei zu begleiten und sie zu unterstützen. Das kostet einige Nerven und sehr viel Geduld. Doch das oberste Ziel sollte sein, dass das Kind beim Essen Freude empfindet, damit es ein gesundes Verhältnis zur Nahrungsaufnahme entwickelt. Diese Freude solltest Du deinem Kind auf keinen Fall nehmen und alles andere, wie Tischmanieren, Sauberkeit oder zeitlicher Druck dürfen diese nicht trüben.

Um diese Nerven und Geduld in Bezug auf das Essen mit kleinen Kindern zu behalten und zu stärken, lohnt es sich zu überlegen, was Du mit der Beikost bei dem Baby und dem Essen von Kleinkindern eigentlich erreichen wollen. Beikost bedeutet, dass das Kind zusätzlich zur Mutter- oder Säuglingsmilch ein Angebot an fester oder pürierter Nahrung bekommt. Viele Eltern bieten ihren Kindern schon mit vier oder fünf Monaten Beikost an. Die meisten Kinder sind in diesem Alter noch nicht bereit für Beikost und zeigen dies auch und senden ein deutliches Signal, dass der Versuch unterbrochen werden sollte und nach einigen Wochen neu begonnen werden sollte. Denn Kinder sind das ganze erste Lebensjahr Säuglinge und werden sich deswegen mindestens das erste Jahr überwiegend von Mutter- beziehungsweise Säuglingsmilch ernähren. Die Beikost dient also primär einer sanften Einführung und dem Kennenlernen von Nahrung. Noch einmal: Den Hunger stillen die meisten Babys ganz natürlich über ihre Milchmahlzeit. Trotzdem ist es wichtig und richtig, ab dem siebten Lebensmonat täglich anderes Essen anzubieten.

Wenn die Beikost nun also primär dem Kennen- und Erlernen dient, müssen wir genauer hinsehen, wie Babys und Kleinkinder lernen. Sie lernen vor allem durch zweierlei: zum einen durch Spielen und Ausprobieren und zweitens durch Vorbilder. Das Erlernen und Kennenlernen von Essen ist also schlichtweg nicht möglich ohne zu spielen. Kinder, die das Essen, das ihnen angeboten wird, spielerisch erkunden dürfen und mit allen Sinnen begreifen dürfen, lernen den Umgang damit sehr sicher und vor allem voller Freude. Wir Erwachsenen sollten uns am Esstisch in die Kinder hineinversetzen. Stellen wir uns doch einmal vor, wie es so einem kleinen Essanfänger geht. Alles, was ihm vorgesetzt wird, ist neu. Sowohl die Schüssel Brei als auch die gematschte Banane, das Stückchen Butterbrot als auch das Glas Wasser. Alles neu. Und alles so verschieden! Das eine fühlt sich weich und flüssig an, wenn es von dem Löffel in den Mund fließt. Die Banane ist süß und glibschig. Und das Brot am Rand fest und dazwischen saftig. Aber man sieht es den Dingen gar nicht unbedingt an. Aber fühlen kann man es. Besonders wenn man es durch die kleinen Finger drückt oder sich gar auf die Wange schmiert. Und wie das alles duftet, wenn man mit der Nase ganz dicht herangeht! Wenn das Glas ganz voll ist, schwappt das Wasser schon heraus, wenn man es nur leicht ankippt. Wenn es fast leer ist, muss man es fast ganz auf den Kopf drehen, bis das Wasser herausfließt. Das alles und noch so viel mehr können die Kinder nur begreifen und lernen, wenn sie es ausprobieren dürfen. Wer diese notwendigen Experimente als Spiel bezeichnet, dem sei gesagt: Mit Essen spielt man! Unbedingt!

Doch es gibt natürlich auch Grenzen. Diese sollten wohlbedacht gesetzt werden und dem Kind klar kommuniziert werden. Vielleicht braucht es einige Zeit, bis du erkennst, warum das Kind mit dem Essen macht, was es macht. Experimentiert es wie oben beschrieben, um sich mit dem Essen vertraut zu machen und um zu lernen oder fängt es an das Essen hinunterzuwerfen, weil es überfordert ist? Oder weil es mit dem Essen fertig ist? Oder hält es das Essen ausschließlich für ein Spiel, das nichts mehr mit dem Lernen zu tun hat? Im letzteren Fall ist es natürlich angebracht, das Spiel mit dem Essen – auch im Sinne des Kindes – zu beenden. Wenn mit Essen um sich geworfen wird, Essen mehrfach und aus Lust und Laune wieder ausgespuckt wird oder ähnliches, darf die Mahlzeit beendet  und das Spiel abgebrochen werden. Am Anfang ist es nicht immer leicht, das sinnvolle (Kennenlern-) Spiel von dem unangemessenen Spiel zu unterscheiden, doch schon bald wird es für alle gut erkennbar sein.

Wie weiter oben bereits erwähnt, ist zum Erlernen neuer Entwicklungsschritte auch das Vorbild von Bedeutung. Achten wir also einmal ganz bewusst auf unsere Art des Essens. Es gibt Familien, da wird sogar das geschmierte Brot mit Messer und Gabel gegessen, und dann gibt es andere Familien, da werden Nudeln schon mal mit Löffeln und Pizzastücke mit der Hand gegessen. All das hat natürlich seine Berechtigung. Wenn Du Dir allerdings etwas anderes von deinen Kindern wünschst, solltest Du Deine eigenen Angewohnheiten überdenken und Deinen Kindern das Vorbild sein, welches Du Dir wünscht.

Auf die Ausgangsfrage, ob mit Essen gespielt wird oder nicht, gibt es also eine ganz klare Antwort. Ja. Das Spielen mit Essen, das dem (Kennen-)Lernen des Essens dient, muss erlaubt sein. Das wilde und grenzüberschreitende Spielen jedoch darf klare Grenzen erfahren und auch unterbunden werden. Am wichtigsten ist, dass Du deinem  Kind die Freude am Essen nicht nimmst und wir Erwachsenen uns immer wieder bewusst machen, dass das Spiel elementar wichtig und jeglicher Druck schädlich ist.


Das Thema Beikost oder allgemeiner gesagt das Thema Essen ist unter Müttern und Vätern eines der am heißesten diskutierten in den ersten Lebensmonaten. Irgendwie schwingt immer die Sorge mit, dass die Kinder zu wenig oder das falsche Essen bekommen. Aber Du kannst Dich entspannen, denn eigentlich ist es gar nicht schwierig und Du musst Dir den Kopf nicht unnötig zergrübeln. Ich habe eine ganz einfache Lösung, die Dir und vor allem Deinem Kind so viel Erleichterung während der Beikostzeit  bringen wird. Wenn Du Dich gerade fragst, ob ich mich vielleicht ein wenig weit aus dem Fenster lehne mit der Behauptung, ich hätte „die Lösung“ für Euch, kann ich Dich beruhigen. Eigentlich habe nicht ich die Lösung, sondern Du selbst. Und die findet sich nicht in einem genauen, festgelegtem Plan.

Du kennst es sicher auch, wenn man sich mit dem Thema Beikost beschäftigt, stößt man an allen möglichen Ecken auf so genannte Babyernährungspläne. Meist sind sie bunt und vor allem übersichtlich und logisch. Da wird auf den ersten Blick klar: das hat Struktur. Es wird einem erklärt, was Kinder wann brauchen und was nach und nach dazukommen muss. Eine ganz wunderbar klare Übersicht, wie das alles zu laufen hat. Im ersten Monat wird dieser Brei gefüttert, im nächsten dieser und so weiter. Diese Pläne können den Eltern ein Gefühl von Sicherheit und Orientierung geben.

Doch was in diesen Plänen nicht steht, ist, dass jedes Kind anders ist. Und dass alle Kinder unterschiedliche Bedürfnisse haben. Aber das ist auch verständlich, denn das würde die klare Übersicht und die Logik der Pläne zunichtemachen. Und damit auch das beruhigende Gefühl, das sie den Eltern geben.

Doch ich kann Dich beruhigen: die Erkenntnis, dass diese Pläne einfach realitätsfern und meist nicht brauchbar sind, muss für Dich keine Verunsicherung bedeuten. Ganz im Gegenteil. Wenn Du einmal verstanden hast, dass Du nicht zwingend einen Plan brauchst, der von Menschen erstellt wird , die Dein Kind und Dich noch nicht einmal kennen, wirst Du große Sicherheit gewinnen.

Um besser zu verstehen, wie absurd es ist, zu versuchen sich vollständig an diese Pläne zu halten, folgt hier ein kleines Gedankenspiel für Dich: Vielleicht kennst Du die Situation, in der sich mehrere Elternteile über das Thema Beikost ihrer gleichalten Kinder austauschen, zum Beispiel bei einer Krabbelgruppe oder ähnlichem. Stell dir vor, es geht um 10 Kinder, deren Eltern sich austauschen. Ein Elternpaar erzählt von einem solchen Babyernährungsplan, mit dem sie sehr gut fahren. Alle 9 anderen Familien sind begeistert und beschließen den gleichen Plan anzuwenden. Alle 10 Kinder sollen also in den nächsten Wochen und Monaten dasselbe Essen bekommen. Zur gleichen Zeit soll ein neuer Brei eingeführt werden und so weiter.

Und nun stell dir vor, Du bist mit 9 anderen Erwachsenen, zum Beispiel Arbeitskollegen oder völlig zufällig in einem Bahnabteil zusammensitzenden Menschen, zusammen und ihr tauscht Euch über Eure Ernährung aus. Einer erzählt von einem neuen Programm, das genau vorgibt, was man wann essen sollte. Da werden Tageszeiten für bestimmte Mahlzeiten vorgegeben, die streng eingehalten werden müssen. Es ist wissenschaftlich bestätigt, dass Menschen, die sich nach diesem Plan ernähren, ganz genau ihre Nährstoffbedürfnisse decken würden und auch sonst hat es positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Allerdings ist das Programm sehr streng in den Vorgaben, so wird vorgegeben, wann man etwas Süßes essen darf und wann etwas Salziges sowie die Menge, die gegessen werden soll (unabhängig von dem eigenen Hunger). Der eigene Hunger oder Appetit sowie die Vorlieben können nicht berücksichtigt werden, wenn der volle Nutzen des Programmes gewünscht wird.

Nun frage ich Dich: wie viele von Euch Erwachsenen werden sich entscheiden dieses Programm für die nächsten Wochen und Monate konsequent anzuwenden? Ich vermute, es werden wenige sein. Wahrscheinlich niemand. Denn es wäre verrückt. Die eigenen Bedürfnisse und die eigenen Wünsche völlig zu ignorieren wäre völlig absurd. Vor allem wenn der größte und wichtigste Vorteil nur wäre, sicher zu wissen, dass der Nährstoffbedarf abgedeckt ist. Dazu so viele Beschränkungen in Kauf zu nehmen, scheint absurd. Und für dieses Programm wären wir doch einfach auch alle zu unterschiedlich. Der eine braucht morgens sein Müsli, für den anderen startet der Tag nur mit einem gekochten Ei so richtig gut. Die einen brauchen am Mittag eine warme Mahlzeit und abends nur eine Kleinigkeit. Andere lieben die gemeinsamen Mahlzeiten mit der Familie am Abendbrottisch und trinken danach noch einen Espresso. Andere können nach 16 Uhr keinen Kaffee mehr trinken, weil sie sonst nicht schlafen können. Ach, und es gibt noch so viel mehr, was der eine liebt und der andere sich nicht einmal vorstellen kann.

Und das ist auch gut so. Denn dadurch sorgen wir alle dafür, dass unsere Bedürfnisse gedeckt werden. Dadurch, dass wir essen, wenn wir Hunger haben, und das essen, worauf wir Lust und Appetit haben, sorgen wir dafür, dass wir bekommen, was wir brauchen. Das Programm, das weiter oben beschrieben wurde, täte den meisten von uns vermutlich auf Dauer nicht gut.

Und nun frage ich Dich: wie kann es sein, dass wir sofort einsehen, dass solch ein Programm für uns Erwachsene einfach keinen Sinn macht, aber für unsere Kinder entscheiden wir uns für ein solches Programm, in Form von den so weit verbreiteten Essensplänen, die keine Individualität zulassen? Das ist doch ein bisschen verrückt, oder?

Dein Kind ist ein Mensch. Ein kleiner noch, aber ein Mensch. Und wir Menschen sind so individuell. Insbesondere was unsere Bedürfnisse und Wünsche angeht, sind wir so verschieden. Und diese Verschiedenheit tritt nicht irgendwann mit den Jahren auf, sondern sie ist von Anfang an da. Ein strikter Fahrplan kann also nicht für alle Kinder passen. Manchen entspricht es vielleicht und manch ein Kind lässt sich vielleicht auch auf strenge Vorgaben ein. Aber jedes Kind hat seine eigenen Bedürfnisse und das kann Dein Kind schon von Anfang an zum Ausdruck bringen.

Ich rate Dir also: vergiss starre Pläne und lerne Dein Kind kennen. Schau, was Dein Kind braucht. Vertraue Deinem Kind. Es weiß besser als jeder Wissenschaftler, was es wann braucht. Deine Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass Dein Kind seine Bedürfnisse erfüllen kann. Biete ihm deswegen ein vielfältiges Angebot an. Biete ihm Obst, Gemüse und Getreide an. Mal etwas, was natürliche Süße enthält , mal etwas salziges (ohne extra zu salzen), mal etwas püriertes und mal etwas  Fingerfood. Füttere es und lass es, wenn es so weit ist, selber essen. Schau auf Dein Kind, lass ihm Zeit und nimm Dich zurück. Lerne neue Lebensmittel kennen, Pastinake, Quinoa oder Frühstücksauflauf sind nicht nur für die Kleinen großartige Lebensmittel, sondern genauso gesund und wertvoll für Dich selbst. Und vor allem: hab Freude. Denn Essen bedeutet Freude. Das ist überhaupt das Wichtigste, was Du Deinem Kind mitgeben kannst. Essen ist Freude. Und die findet sich in keinem Babyernährungsplan der Welt. Die findet sich in Euch und in der Befriedigung Eurer Bedürfnisse und Wünsche.


Rund um das Thema Babybrei und Beikost gibt es viele Irrtümer. Was wirklich richtig und falsch ist, ist für Eltern oft schwer zu erkennen. Hier werden sieben dieser Irrtümer aufgedeckt und richtiggestellt.

Doch am allerwichtigsten ist, dass Du weißt, dass es für Dein Kind und Euch als Familie nicht den einen vorgeschriebenen Weg gibt, der richtig ist. Für Dich ist es wichtig, dass Du einen guten Blick auf Dein Kind hast und verstehen lernst, was dein Kind für Bedürfnisse und Wünsche hat. Die wichtigste elterliche Aufgabe in Bezug auf das Thema ist, dem eigenen Kind zu vertrauen und geduldig zu sein. Am besten man verabschiedet sich schon vor dem Start der Beikostzeit von fixen Vorstellungen und festen Zeitplänen und lässt sich ganz auf sein Kind ein. Alles hat seine Zeit und so auch das Essenlernen.

„Man sollte ab dem 4. Monat Brei füttern!“

Der richtige Zeitpunkt für die Einführung von fester Kost ist sehr individuell und eine pauschale Antwort auf die Frage, wann der richtige Zeitpunkt ist, kann nicht gegeben werden. Auch die Experten haben darüber verschiedene Ansichten. Doch nach aktuellem Wissensstand ist man sich einig: Brei und andere feste Kost sollten auf keinen Fall vor Beendigung des vierten Lebensmonats,  also frühestens mit Beginn des fünften Lebensmonats gegeben werden. Außerdem sollte spätestens während des siebten Lebensmonats Beikost angeboten werden.

„Es sollte mit einem bestimmten Brei begonnen werden!“

Es gibt verschiedene Pläne, die vorgeben, dass mit einem bestimmten Brei, zum Beispiel dem Mittagsbrei, bestehend aus Gemüse und Fleisch, begonnen werden sollte und nach einiger Zeit, etwa einigen Tagen oder Wochen, ein weiterer Brei eingeführt werden sollte. Diese Pläne sind letztendlich überholt und der aktuelle Wissensstand ist, dass Kinder den Brei zu der Tageszeit bekommen dürfen und sollen, der ihnen gut bekommt und der ihnen gut tut. Dies kann auch von Tag zu Tag wechseln. Wichtig ist, dass dem Kind Brei angeboten wird und es selbst entscheiden kann, ob und wie viel es essen möchte. Da Kindern im Allgemeinen Rhythmus und Rituale gut tun, macht es dennoch Sinn, dem Kind regelmäßig ein ähnliches Angebot zu machen, auf das es sich verlassen kann; dies unter Berücksichtigung der familiären Situation und der Bedürfnisse des Kindes. Meist lernen die Eltern ziemlich schnell zu erkennen, was das Baby wann mag und was nicht. Auch der Grundgedanke, dem Kind zunächst einen gehaltvollen Brei am Mittag (bestehend aus Gemüse und ggf. Fleisch) anzubieten, macht Sinn, da durch diesen Brei ein großer Teil des Nährstoffbedarfs gedeckt wird. Aber es muss eben auch zu den Bedürfnissen des Kindes und dem Tagesablauf der Familie passen.

„Es sollten immer nur einzelne Lebensmittel neu eingeführt werden!“

Früher wurde jungen Eltern empfohlen nur nach und nach neue Lebensmittel einzuführen, um zu sehen, wie das Kind das neu eingeführte Lebensmittel verträgt. Heute geht man anders herum an die Sache: es wird davon ausgegangen, dass gesunde Kinder die angebotenen Lebensmittel vertragen. Sollte bei einem Kind eine Unverträglichkeit oder Allergie vermutet werden, wird nach dieser gesucht.

„Die erste feste Kost muss Brei sein!“

Heute wissen wir: die Konsistenz der Beikost ist nicht relevant. Ob die gedünstete Karotte nun püriert ist und mit dem Löffelchen gefüttert wird oder ob die kleine Babyhand die Karotte als Ganzes zum Mund führt und im Gaumen zerdrückt, spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass es dem Kind entspricht. Wenn ein Baby gerne Brei isst und sich füttern lässt, ist das wunderbar. Doch wenn Kinder dies nicht mögen, sollten sie auf keinem Fall dazu gezwungen werden. Es gibt einige Lebensmittel, die auch schon die Kleinsten selber essen können – sogar ohne Zähne. Das so genannte Baby led weanig wird immer beliebter und für viele Kinder, die Brei verweigern, ist es eine gute Möglichkeit, an die Beikost herangeführt zu werden. Ernährungswissenschaftlich spricht gegen diese Art von Fingerfood nichts. Allerdings müssen einige Grundregeln zu dem Thema Baby led weaning beachtet werden.

„Die Breimenge sollte mit der Zeit stetig erhöht werden.“

Bei Essanfängern ist es ähnlich wie bei Erwachsenen: Hunger und Appetit variieren von Tag zu Tag und sind von vielen Faktoren abhängig. Es kann also sein, dass ein Kind an einem Tag eine große Portion verspeist und am nächsten Tag eine sehr kleine. Andersherum kann es sein, dass ein Kind beständig kleine Portionen benötigt oder große. Manche steigern ihre Nahrungsmenge ganz natürlich mit der Zeit. All das hat seine Richtigkeit. Bei den Eltern ist Geduld gefragt und das Vertrauen in das eigene Kind. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Wichtig ist, dass das Kind ein Angebot hat und selbst wählen kann, wie viel es davon essen möchte.

„Zum Essen gehören Babys in den Hochstuhl!“

Egal wie alt ein Essanfänger ist und ob er mit Brei gefüttert wird oder Fingerfood zu sich nimmt: er sollte aufrecht sitzen und immer von einem Erwachsenen beobachtet werden. Je nach körperlicher Entwicklung können Kinder zu Beginn der Beikostzeit noch nicht selbstständig sitzen. Damit ist gemeint, dass sie noch nicht ohne Hilfe in eine sitzende Position kommen können. Diese Kinder sollten nicht hingesetzt werden, da der Rücken die Belastung noch nicht aushalten kann. Stattdessen sollten sie von einem Erwachsenen auf den Schoß genommen, gehalten und gefüttert werden. Erst wenn sie sich selbst hinsetzen können, sollten sie in einen Hochstuhl gesetzt werden.

„Durch die Beikost braucht das Baby weniger Milch und es kann schnell abgestillt werden!“

Bei der Beikost handelt es sich um ein Zusatzangebot zu der Muttermilch bzw. Säuglingsmilch. Kinder sind während des gesamten ersten Jahres Säuglinge und ihre hauptsächliche Nahrung ist Muttermilch bzw. Säuglingsmilch. Beikost dient dem Kennenlernen der festen Kost und dem langsamen Heranführen daran. Die Milch bleibt jedoch wichtigste Nahrungsquelle und das Kind sollte weiterhin nach Bedarf gestillt werden beziehungsweise Säuglingsmilch trinken. Damit dient die Beikosteinführung nicht dem Abstillen – im Gegenteil: es ist von großem Vorteil die Beikost unter dem Schutz von Muttermilch einzuführen. Wenn eine Mutter abstillen möchte, sollte sie einen anderen Weg wählen (dazu kann sie sich von einer Hebamme oder Stillberaterin beraten lassen). Auf längere Zeit ist es ein natürlicher Prozess, dass das Kind immer mehr feste Kost und irgendwann komplett die Familienkost zu sich nimmt und keine Mutter- oder Säuglingsmilch mehr braucht. Die meisten Kinder können ihren Nährstoffbedarf erst im zweiten Lebensjahr vollständig durch feste Kost decken.


Es gibt keine richtige oder falsche Stilldauer. Jedes Mutter-Kind-Paar hat andere Bedürfnisse und Wünsche und so ist die Frage, der passenden Stilldauer sehr individuell zu beantworten. Wissenschaftlich ist nachgewiesen, dass jeder Tag und jeder Monat mehr, die ein Kind gestillt werden, sich positiv auf dessen Gesundheit auswirken. Doch es geht beim Stillen nicht nur um die Bedürfnisse nach Geborgenheit und Körperkontakt sowie die Gesundheit Deines Kindes,  sondern auch um die Bedürfnisse der Mutter. Beides ist wichtig und richtig und sollte bei der Entscheidung der Stilldauer ausschlaggebend sein. Denn wenn es einem der Beteiligten mit dem Stillen nicht (mehr) gut geht, sollte eine Veränderungsmöglichkeit gesucht werden.

Das Stillen betrifft immer zwei Menschen: das Kind und die Mutter. Es ist eine innige (Still-) Beziehung, bei der die Seite der Mutter eher die gebende Seite darstellt und die Seite des Kindes die nehmende Seite. Doch auch in die jeweils andere Richtung wird gegeben und genommen. So müssen  zu der Entscheidung, wie lange gestillt werden soll, immer beide Seiten gesehen werden und die Interessen beider Beteiligten abgewogen werden.

Da Muttermilch die gesündeste Nahrung für Deinen jungen Säugling ist, empfiehlt die WHO (Weltgesundheitsorganisation), dass Kinder die ersten 6 Monate ausschließlich gestillt werden und bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr zusätzlich zu anderer Nahrung Muttermilch bekommen sollten. Diese Empfehlung beruht unter anderem darauf, dass die meisten Kinder nicht vor dem siebten Lebensmonat bereit für andere Nahrung sind und dass es sehr positive Effekte hat, wenn die feste Kost unter dem Schutz von Muttermilch eingeführt wird. So weiß man, dass dies einen positiven Effekt auf die Allergieneigung Deines Kindes hat.

In Deutschland stillen statistisch gesehen die meisten Mütter im Laufe des ersten Lebensjahres ab. Mütter, die darüber hinaus stillen, werden oft als Langzeitstillende bezeichnet. Gesundheitlich gesehen gibt es kein Alter, ab dem das Stillen negative Auswirkungen für Mutter oder Kind bekommt. Mutter und Kind können und sollten deshalb so lange stillen, wie es für sie richtig ist. Oft berichten Frauen, die länger als sechs oder neun Monate stillen, dass sie sich durch ihr Umfeld oder die Gesellschaft unter Druck gesetzt fühlen abzustillen. Tatsächlich scheint es in vielen Köpfen, vor allem in Generationen über der jetzigen Müttergeneration, fest verankert zu sein, dass das Stillen ausschließlich für sehr junge Säuglinge geeignet sei. Dies ist tatsächlich falsch, wie beispielsweise die offizielle Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation zeigt. Aber nicht nur hier ist davon nachzulesen. Wissenschaftlich gesehen gibt es keinen Grund, zu einem bestimmten Zeitpunkt aufzuhören zu stillen.

Der richtige Zeitpunkt aufzuhören zu stillen ist dann, wenn einer der beiden Partner nicht mehr stillen möchte. Die unkomplizierteste Lösung ist, dass Mutter und Kind im Einvernehmen zu einem Ende finden. Doch dies ist nicht immer möglich. Es gibt Kinder, die sich abstillen, obwohl die Mutter nichts dagegen hätte, noch weiter zu stillen. Und es gibt Mütter, die die Stillbeziehung aktiv beenden, obwohl das Kind gerne weiter gestillt hätte. Beides ist völlig in Ordnung und hat seine Berechtigung. Denn sobald einer der beiden Partner sich in der Stillbeziehung nicht mehr wohlfühlt, wirkt sich dies auf den anderen aus. Insbesondere Mütter dürfen und sollten sich ihrer Bedürfnisse bewusst werden und für diese eintreten, denn auf Dauer profitiert kein Kind von einer Mutter, die ihre eigenen Bedürfnisse ignoriert und sich nur an den Wünschen ihres Kindes orientiert.

Manche Stillbeziehungen werden durch äußere Umstände beendet. Etwa weil die Mutter für eine Weile nicht verfügbar ist und ihre Abwesenheit zum Abstillen führt (was nicht unbedingt eintreten muss!). Oder weil die Milchmenge nicht mehr ausreicht und nicht steigerbar ist, weil die Mutter unumgänglich Medikamente einnehmen muss, mit denen das Stillen nicht vertretbar ist (Dies ist aber selten der Fall. Oft gibt es stillfreundliche Möglichkeiten.) oder aus anderen Gründen. Wenn es trotz des Wunsches weiter zu stillen nicht möglich ist, ist der Zeitpunkt des Abstillens festgelegt und es tut gut, diese Gegebenheit freundlich anzunehmen und sich auf den neuen Abschnitt zu freuen.

Folgende Abstillsituationen können sich neben den oben genannten, von außen bedingten Situationen ergeben:

  1. Dein Kind und Du seid Euch einig und es geschieht ganz harmonisch ohne großes Tamtam. Plötzlich stellst Du fest, dass Ihr nicht mehr stillt.
  2. Dein Kind beschließt die Stillbeziehung zu beenden. Es möchte nicht mehr stillen und zeigt deutlich Interesse an dem sonstigen Nahrungsangebot.
  3. Du beschließt die Stillbeziehung zu beenden. Gut gelingt dies, wenn Du wirklich überzeugt bist, dass es richtig ist – dann wird Dein Kind es leichter haben, sich damit zurechtzufinden.

Wenn Du also an dem Punkt bist, dass Du Dein Kind abstillen möchtest, ganz egal wie alt Dein Kind ist, helfen Dir folgende Fragen als Anregung, um herauszufinden, ob Du wirklich so weit bist, die Stillbeziehung zu beenden. Denn wenn Du Dir sicher bist, dass es wichtig und richtig ist, die Stillbeziehung zu beenden, wird Dein Kind diese Entscheidung sehr viel besser akzeptieren können als wenn es Deine Unsicherheit und Dein mulmiges Gefühl spürt. Wenn Frauen zum Beispiel das Gefühl haben, sie müssten abstillen, weil „das eben so ist“, also der Druck vom Umfeld so groß wird, dass sie sich beugen, gelingt das Abstillen oft sehr schwer.

Der richtige Zeitpunkt von Deiner Seite abzustillen ist dann, wenn Du die folgenden Aussagen (überwiegend) mit Ja beantworten kannst:

  • Ist Dein Kind gesättigt? Ist also nicht nur der Bauch, sondern vor allem das Bedürfnis nach dem Stillen gesättigt? Ist es bereit, sich ein Stückchen weiter von Dir zu lösen und den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen?
  • Bist Du bereit Dich ein Stückchen weiter von Deinem Kind zu lösen. Ist Dein Bedürfnis nach der exklusiven (Still-) Beziehung zu Deinem Kind gesättigt? Bist Du bereit für den nächsten Entwicklungsschritt?
  • Wenn Du daran denkst, dass die Stillbeziehung unwiderruflich beendet ist, freust Du Dich darüber überwiegend?

Wenn Du feststellst, dass Du diesen Fragen nicht zustimmen kannst, gehe noch einmal in Dich und suche nach dem Antrieb abzustillen. Kommt der wirklich von Dir oder kommt der von außen? Und frage Dich, was Du brauchst, um glücklich aus der Stillbeziehung zu gehen und frohen Mutes in den neuen Abschnitt Deiner Mutterrolle zu gehen.

Der richtige Zeitpunkt kommt bestimmt.

 


Wenn Dein Kind aus individuellen Gründen nicht gestillt wird, ist es die beste Alternative,  abgepumpte Muttermilch zu füttern. Jeder Tropfen Muttermilch ist für Dein Kind und seine Gesundheit kostbar – insbesondere am Anfang. Wenn Dein Kind jedoch keine Muttermilch bekommen kann, gibt es industriell hergestellte Muttermilchersatzprodukte, die die meisten Kinder gut vertragen.

Wie gewinne ich Muttermilch für mein Baby?

Muttermilch kannst du unterschiedlich gewinnen. Insbesondere die ersten Tropfen Muttermilch nach der Geburt, das so genannte Kolostrum, sind reich an gesundheitsfördernden Stoffen und ganz besonders wichtig für Dein Kind. Diese ersten Tropfen lassen sich oft am besten mit der Hand ausstreichen, wenn Dein Kind nicht angelegt werden kann. Bitte lass Dir unbedingt in den ersten Stunden nach der Geburt dabei helfen. Denn nicht nur die Gewinnung dieser Milch ist sehr wichtig, sondern auch die Anregung der Milchproduktion, die durch das Ausstreichen bewirkt wird.

Als Alternative zum manuellen Ausstreichen kannst du zur Muttermilchgewinnung eine Milchpumpe nutzen. Gerade in den ersten Tagen nach der Geburt ist das Pumpen alle paar Stunden sehr wichtig, ganz gleich welche Mengen an Muttermilch du dabei in der Flasche sammeln kannst. Es ist wirklich jeden Tropfen wert. Nach dem Milcheinschuss, etwa in der Zeit zwischen dem 3. und 5. Lebenstag, steigt die Milchmenge deutlich. Bis dahin heißt es meist durchhalten und optimistisch bleiben.

Welche Säuglingsmilch braucht Dein Baby, wenn nicht genügend Muttermilch vorhanden ist?

Im Idealfall berätst Du Dich mit deiner Hebamme oder deinem Kinderarzt darüber, welches die richtige Säuglingsmilch für Dein Kind ist. Grundsätzlich hängt es vor allem davon ab, ob Dein Kind irgendeine gesundheitliche Besonderheit hat und ob ein erhöhtes Allergierisiko besteht. Für diese Fälle gibt es spezielle Nahrung.

Säuglingsanfangsnahrung wird auch „Pre“ oder „1er“ Milch genannt und kann ab der Geburt gefüttert werden. Sie ist in der Zusammensetzung der Muttermilch am nächsten und ist als alleinige Nahrung für Säuglinge im ersten Lebensjahr bis zur Einführung der Beikost geeignet. Sie ist vollkommen ausreichend und das Beste, was Du Deinem Baby geben kannst. Anfangsmilch kann nach Bedarf Deines Kindes gefüttert werden – also immer dann, wenn Dein Baby trinken mag.

Bei der Wahl des Produktes solltest Du Dich so entscheiden, dass es sich für dich gut anfühlt. Im Prinzip sind alle Produkte geeignet, denn in Deutschland unterliegt die Produktion von Säuglingsnahrung strengen Kontrollen und genauen Vorgaben. Am wichtigsten ist es, dass Dein Kind die Milch gut verträgt. Wenn ihr eine Säuglingsmilch gefunden habt, die gut verträglich ist, bleibt dabei. Es hat in diesem Fall keinen Vorteil, das Produkt zu wechseln, denn dies kann Deinem Kind Unwohlsein oder Bauchweh bereiten.

Braucht Dein Kind Folgemilch?

Es ist nicht nötig auf Folgemilch umzusteigen. Solange Dein Kind Fläschchen trinkt, ist die Anfangsmilch die Milch der Wahl. Folgenahrung, auch „2er“ oder „3er“ Milch genannt, ist für die Ernährung von Säuglingen möglich, die schon mit Beikost ernährt werden, und stellt eine optionale Ergänzung zu der (Brei-) Nahrung dar. Die Altersangaben auf den Verpackungen sind für viele Eltern irreführend. Die Angabe „ab dem 6. Lebensmonat“ beispielsweise ist keine Empfehlung, einem sechs Monate alten Kind diese Milch zu geben. Es ist eine reine Information, dass dieses Produkt nicht vor dem sechsten Monat geeignet ist. Dies lässt sich damit vergleichen, dass alkoholische Getränke „ab 18 Jahren“ erlaubt sind. Diese Angabe bedeutet, dass sie nicht vor dem 18. Lebensjahr geeignet sind – nicht, dass sie ab dem 18. Lebensjahr anderen Getränken vorzuziehen oder gar zu empfehlen sind. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft spricht sich gegen die Gabe von 3er Folgemilch aus. Diese ist schlichtweg nicht nötig, da Kinder im Alter von 10 Monaten schon reif genug sind, zum Beispiel Kuhmilch zu trinken und an der Familienkost teilhaben zu können. Des Weiteren sind der Folgemilch, insbesondere der 3., oft unerwünschte Zutaten wie Aromastoffe beigemischt.

Wie Du die Flasche zubereitest

Abgepumpte Muttermilch ist bei Raumtemperatur 6 Stunden haltbar, im Kühlschrank bis zu 5 Tage und im Gefrierfach 6 Monate. Wenn sie verwendet werden soll, empfiehlt sich ein langsames und schonendes Auftauen und Erwärmen. Gefrorene Milch kann im Kühlschrank auftauen und dann in einem warmen Wasserbad oder einem Flaschenwärmer erwärmt werden. Einmal aufgewärmte Milch darf nicht wieder eingefroren werden. Wenn Dein Kind sie nicht trinkt, muss sie verworfen werden (eine Möglichkeit ist es, sie als Badezusatz zu verwenden – zarte Babyhaut inklusive).

Bei der Zubereitung von Anfangsmilch halte Dich bitte genau an die Angaben auf der Verpackung. Insbesondere an dem Verhältnis von Wasser zu Milchpulver solltest Du nichts verändern, nicht einmal in besonderen Situationen.

Es gibt verschiedene Hilfsmittel, die eine echte Erleichterung bei der Zubereitung von Fläschchennahrung bringen können: angefangen von Thermoskannen mit warmem Wasser am eigenen Bett für die nächtliche Flasche bis hin zu Milchpulver-Portionierer und Fläschchenwasser-Abkühler. Du wirst schnell herausfinden, was Dir eine Hilfe sein kann.

Wie Du die Fläschchenbeziehung gestalten kannst

Hier einige Ideen, wie du die Fläschchenbeziehung zu Deinem Kind so gestalten kannst, dass es dem Stillen in allen Aspekten (vor allem dem Körperkontakt und der (emotionalen) Nähe der Mutter) möglichst nahe kommt. Denn beim Stillen geht es nicht nur um die Sättigung durch Milch, sondern um so viel mehr. Und darauf muss auch ein Baby, das mit der Flasche gefüttert wird, nicht verzichten. Bitte höre hier wie bei allen Themen, die Dich und Dein Kind betreffen, auf Dein Herz und tu, was sich richtig anfühlt!

  • Achte darauf, dass Du zu Deinem Baby bei jeder Mahlzeit möglichst viel Körperkontakt hast. Wenn Dein Baby noch sehr klein ist, halte es so im Arm, wie du es halten würdest, wenn Du es stillen würdest. Das Köpfchen liegt im Arm auf der Höhe deines Herzens.
  • Gewöhne Dir von Anfang an an, Deinem Baby auf dem Arm die Flasche zu geben. Es sollte (egal wie alt es ist) nicht in einer Wippe, Autoschale oder ähnlichem sitzen. Niemals solltest Du die Flasche so einklemmen oder hinlegen, dass Du sie nicht mit der Hand hältst. Du (oder wer auch immer das Fläschchen füttert) sollte die Flasche immer in der Hand halten.
  • Wenn das Baby das Fläschchen bekommt, versuche nach Möglichkeit, eine ruhige und reizarme Umgebung zu schaffen. Schalte also den Fernseher oder das Radio aus, zieh Dich ein bisschen mit Deinem Baby aus dem Geschehen zurück und konzentriere Dich für diese wenigen Minuten auf Dein Baby. Streichle es, summe oder singe leise. Das wird Deinem Baby guttun und das Fläschchentrinken führt nicht nur zu Milch im Bauch, sondern auch zu Liebe im Herzen.
  • Um der Stillbeziehung möglichst nahe zu kommen, sollte nach Möglichkeit ausschließlich die Mutter das Fläschchen geben. Die Natur hat vorgesehen, dass das Kind durch die Mutter genährt wird (Väter können ja nicht stillen). Zumindest in den ersten Wochen ist das sehr wichtig für die Bindung zwischen Mutter und Kind. Nach einigen Monaten kann das gelegentlich auch eine andere, enge Bezugsperson übernehmen. Auch diese Person kann bewusst darauf achten, dem Baby während der Mahlzeit mehr zu geben als „nur“ die Milch, nämlich Körperkontakt, emotionale Wärme und Geborgenheit. Wenn eine Mutter in den ersten Tagen und Wochen nicht so für ihr Kind da sein kann, wie sie es sich wünschen würde – sei es wegen Krankheit, räumlicher Trennung oder ähnlichem, kann die Bindung zu dieser Person ebenso eng sein. Vielleicht braucht es in dem Fall einige Nachhol-Kuscheleinheiten, ein Bondingbad oder andere unterstützende Maßnahmen.

Es gibt einige Dinge rund ums Stillen, die ganz offensichtlich sind. Andere Themen rund ums Stillen finden manche Eltern heraus, wenn sie die Erfahrung am eigenen Leib gemacht haben. Wie auch immer: Du wirst Deine ganz eigene Stillgeschichte erleben.

Hier folgt nun eine Sammlung an Information, die sicher die eine oder andere Überraschung enthält.

  1. Die Muttermilch passt sich immer optimal an die kindlichen Bedürfnisse an. Nicht nur die Menge ist immer genau richtig, sondern auch die Zusammensetzung. An heißen Tagen beispielsweise ist die Milch eher dünnflüssig, sodass der größere Durst sofort angemessen gestillt werden kann. So ist es nicht nötig, einem voll gestillten Kind zusätzlich Wasser oder Tee anzubieten.
  2. Muttermilch schmeckt zuckersüß.
  3. Ein Neugeborenes findet den Weg zur Brust ganz alleine. Wenn man ein Neugeborenes auf den Bauch der Mutter legt, kann es selbst zur Brust finden und stillen. Geleitet wird das Kind von seinem Geruchssinn und durch seine angeborenen Reflexe kann es sich an die richtige Stelle schieben.
  4. Durch Stillen statt Füttern von Säuglingsmilch sparen Familien viele Hunderte Euro.
  5. Die mütterliche Brust muss nicht auf das Stillen vorbereitet werden. Die Anfangszeit des Stillens dient dem Einpendeln von Aufgaben und Bedürfnissen. Nach den ersten Wochen sollte es sich so eingespielt haben, dass alles reibungslos läuft.
  6. In den ersten Tagen ist das Stillen für viele Frauen zunächst unangenehm oder gar etwas schmerzhaft. Dies dauert einige Zeit, doch wenn diese Anfangshürde genommen ist, sollte das Stillen in den folgenden Monaten keine Schmerzen mehr verursachen.
  7. Jeder Stillenden steht Unterstützung durch Expertinnen zu. Keine Mutter sollte sich alleine mit Stillproblemen herumschlagen, sondern eine Hebamme oder eine Stillberaterin zu Rate ziehen.
  8. Durch das Stillen sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Mutter an Brustkrebs erkrankt.
  9. Stillen allein ist kein sicheres Verhütungsmittel.
  10.  Stillen in der Öffentlichkeit sollte eine uneingeschränkte Selbstverständlichkeit sein, ist es aber erschreckenderweise mancherorts nicht. Du als Stillende sollst aber wissen: Du bist immer im Recht. Es gibt keinen Grund, sich für das Stillen zu schämen oder schuldig zu fühlen. Niemals.
  11.  Stillende Mütter schlafen im Vergleich zu Fläschchen fütternden Müttern durchschnittlich 45 Minuten länger pro Nacht.
  12.  Durch das Stillen wird die enge Beziehung zwischen Mutter und Kind gestärkt.
  13.  In der Muttermilch sind Substanzen enthalten, die sich beruhigend und schlaffördernd auf das Baby auswirken.
  14.  Stillen dient nicht nur der Sättigung, sondern erfüllt auch die Bedürfnisse des Babys nach Nähe, Sicherheit und Geborgenheit.
  15.  Stillen sollte immer nach Bedarf stattfinden. (Es sei denn, es wurde mit einer Fachfrau/einem -mann aus besonderen Gründen etwas anderes abgesprochen.)
  16.  In der Öffentlichkeit zu stillen kann ganz einfach unbemerkt geschehen. Mit ein bisschen Übung und der richtigen, stillfreundlichen Kleidung bekommt keiner mit, dass das Baby gerade stillt.
  17.  Das Risiko des plötzlichen Kindstodes sinkt bei gestillten Kindern.
  18.  Ein gestilltes Kind kann nicht zu viel trinken oder ungesundes Übergewicht entwickeln.
  19.  Stillen hilft der Mutter nach der Geburt zu heilen und wieder fit zu werden.
  20.  Kinder trinken an der Brust immer genau so viel, wie sie brauchen, um satt zu werden, nicht bis das Angebot der Milch ausgeschöpft ist.
  21.  Stillen sollte für die Mutter in einer bequemen Haltung stattfinden. Zum Stillen sollte ganz automatisch dazugehören, dass die Mutter auf ihre Bedürfnisse achtet. Sie sollte es nicht nur bequem haben, sondern auch ausreichend mit Trinken und Essen versorgt sein.
  22.  Ein echter Muttermilchmangel, also die Tatsache, dass die Muttermilch nicht ausreicht, ist in sehr wenigen Fällen gegeben. In fast allen Fällen ist die Menge steigerbar. Im Zweifelsfall sollte unbedingt eine Fachfrau konsultiert werden.
  23.  Der Austausch mit anderen Stillenden kann sehr unterstützend sein. Vielerorts gibt es Stilltreffen.
  24.  Stillen senkt das Risiko des Kindes, an verschiedenen Krankheiten im Laufe seines Lebens zu erkranken.
  25.  Muttermilch ist im Gefrierfach sechs Monate haltbar.
  26.  Es ist unmöglich, eine „normale“ Stilldauer oder einen „normalen“ Stillrhythmus festzulegen. Manche Kinder trinken eher häufig (also beispielsweise alle 1-2 Stunden) und trinken dann mit einem kräftigen Zug für etwa 10 Minuten. Und es gibt Kinder, die trinken nur alle paar Stunden und lassen sich dann während der Mahlzeit richtig viel Zeit, schlummern dabei ein, um dann noch einmal ein paar Schlückchen zu trinken. Eine Mahlzeit kann dann schon mal eine Stunde dauern. Aber auch alles dazwischen gibt es und das ist genau richtig so. Das eigene Stillen mit dem anderer Mütter zu vergleichen ergibt deswegen keinen Sinn.
  27.  Stillen ist ein Lernprozess. Sowohl Du als Mutter als auch Dein Baby dürfen und sollen am Anfang üben – und es steht ihnen immer Unterstützung zu.
  28.  Eine Stillende (ver)braucht mehr Kalorien als eine Schwangere.
  29.  Die Zusammensetzung der Milch verändert sich nicht nur im Laufe einer Mahlzeit und passt sich den kindlichen Bedürfnissen an, sondern auch im Laufe des Tages.
  30.  Wann die richtige Zeit zum Abstillen ist, ist sehr individuell. Grundsätzlich spätestens dann, wenn einer der beiden Stillbeziehungspartner nicht mehr stillen möchte.

Diese Fakten zeigen, wie großartig Stillen ist. Doch es ist wichtig zu betonen, dass Du als Mutter gemeinsam mit Deinem Kind oder auch allein die Entscheidungen bezüglich des Stillens triffst. Es ist Eure Stillbeziehung und Ihr solltet sie so gestalten, dass es sich für Euch richtig anfühlt. Du entscheidest Dich, dass Du so wenig wie möglich in der Öffentlichkeit stillen möchtest? Oder Du entscheidest Dich, Dein Kind als „Langzeitstillende“ so lange (und zwar an jedem Ort, der Euch gefällt) zu stillen, bis Dein Kind sich von selbst abstillt? Du bist Dir sicher, dass das Stillen nach dem ersten halben Jahr langsam durch andere Kost ersetzt werden darf? Wunderbar! Denn es ist ganz allein Deine Entscheidung. Lass sie Dir nicht nehmen. Und wenn Du irgendwann an irgendeinem Punkt Gegenwind bekommst, such Dir Leute, die Dir den Rücken stärken.