Babywasser – sinnvoll oder nur ein Trend?

Babywasser für die Zubereitung von Säuglingsnahrung?

Gibt es jetzt auch noch Wasser, das speziell für Babys vermarktet wird? Ist das nur eine Idee der Industrie oder sollte ich meinem Baby kein gewöhnliches Leitungswasser geben? Diese und viele weitere Fragen kommen sicherlich auch bei Dir auf, wenn Du das Wort “Babywasser” liest. Auf den ersten Blick wirkt es super praktisch und optimal für die Zubereitung von Babynahrung. Hersteller bewerben es als speziellen Durstlöscher für Kinder im ersten Jahr. Aber ist Babywasser tatsächlich besser oder bezahlt man einen höheren Preis, um einem Trend nachzugehen? Wir haben uns dieses Thema für Dich einmal näher angeschaut. Erfahre mehr über den Unterschied zwischen Babywasser, Mineralwasser und Leitungswasser.

Was ist Babywasser?

Babywasser ist ein speziell aufbereitetes Wasser – natriumarm und keimfrei und somit optimal für die Zubereitung von Babynahrung. Ein entscheidender Vorteil von Babywasser ist, dass es nicht mehr abgekocht werden muss. Es ist durch einen niedrigen Nitrat- und Sulfatgehalt gekennzeichnet und somit konkret auf die Bedürfnisse Deines Babys abgestimmt. Denn ein zu hoher Natriumanteil kann für die kleinen Nieren Deines Säuglings schädlich sein, da der Wasserhaushalt von Babys zu viele Mineralien noch nicht verarbeiten kann. Natrium ist ein Salz das natürlicherweise auch in Wasser enthalten ist. Bei der Ernährung Deines Kindes solltest Du im ersten Lebensjahr komplett auf Salz verzichten. Auch der reduzierte Anteil an Sulfat und Nitrat in extrem wichtig, denn ein zu hoher Sulfatanteil kann bei Babys abführend wirken, während Nitrat im Körper zum schädlichen Nitrit umgewandelt werden kann. Zu hohe Mengen an Nitrit besitzen eine gesundheitsgefährdende Wirkung.

Keimfreies Wasser – besitzt es nur Vorteile?

Babywasser hat gegenüber handelsüblichem Mineralwasser und Leitungswasser also den Vorteil, dass es von Beginn an keimfrei ist. Wenn die Flasche jedoch länger als 24 Stunden geöffnet ist, muss auch Babywasser ein weiteres Mal abgekocht werden – nun ist die Frage berechtigt, ob man einen ganzen Liter Babywasser innerhalb von 24 Stunden Stunden aufbraucht? Ein anderer entscheidender Kritikpunkt ist der Preis. Babywasser ist im Durchschnitt 3 Mal so teuer wie herkömmliches Mineralwasser. Beim Trinkwasser fällt dieser Vergleich noch viel größer aus.

Erwärmt werden muss es zudem ebenfalls, denn sonst löst sich das Milchpulver für die Säuglingsmilch nicht besonders gut auf. Es ist also fraglich, ob sich der erhöhte Preis wirklich auszahlt. Gibt es vielleicht sogar praktischere und günstigere Alternativen?

Der Vergleich zum Trinkwasser und Mineralwasser

Neben bereits speziell aufbereiteten Babywasser kommen als Alternativen für die Herstellung von Babynahrung auch noch Trinkwasser und Mineralwasser in Frage. Wo überwiegen die Vorteile? Und existieren mögliche Risiken?

Trinkwasser

Das Trinkwasser in Deutschland unterliegt ständigen Kontrollen und besitzt dadurch eine sehr hohe Qualität. Es zählt zu den am schärfsten kontrollierten Lebensmitteln. Was spricht also dagegen es für die Zubereitung von Babynahrung zu nutzen? Wenn Du ein paar Sachen beachtest eigentlich gar nichts. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, das Wasser aus dem Wasserhahn einige Zeit laufen zu lassen und nicht direkt das abgestandene Wasser zu nutzen. Das abgelaufene Wasser kannst Du beispielsweise als “Blumenwasser” verwenden. Im Anschluss daran solltest Du das Wasser mehrere Minuten abkochen, denn die Trinkwasserversorger sind nur bis zum Hausanschluss für die Wasserqualität verantwortlich und in Deiner hauseigenen Wasserinstallation kann das Leitungswasser doch noch mit schädlichen Stoffen und Bakterien in Berührung kommen.

Beispiel: Mit Trinkwasser Babymilch zubereiten.

Wie gesagt, solltest Du das Wasser einige Minuten abkochen, damit die darin enthaltenen Bakterien absterben. Denn im warmen Milchpulver könnte es hier zu einer schnelleren Bakterien vermehrung kommen. Drei Minuten sind dafür in der Regel ausreichend. Anschließend solltest Du das Wasser für die Zubereitung des Babybreies auf etwa 40°C abkühlen lassen. Dieses ist sehr wichtig, damit Dein Baby alle Proteine und Vitamine aufnehmen kann, diese sind nämlich nicht hitzebeständig. Wenn Du das Milchpulver mit zu heißem Wasser anrührst, fehlen die Nährstoffe im Babybrei und Dein Kind wird womöglich nicht optimal versorgt. Das abgekochte Trinkwasser kann dann 24 Stunden verwendet werden. Wichtig ist dabei nur, dass Du es in einem sauberen Behälter abfüllst.

Also – Leitungswasser erst etwas ablaufen lassen, abkochen und dann abkühlen lassen, denn dann stellt es keine Gefahr mehr dar. Einige Ausnahmen gibt es jedoch. Wenn das Leitungswasser aus Blei- oder Kupferrohren fließt, ist es für die Herstellung von Babybrei absolut ungeeignet, denn die beiden Schwermetalle lassen sich nicht durch Abkochen des Wasser entfernen. Blei beeinträchtigt sowohl die Funktionsfähigkeit des Nervensystems als auch des Immunsystems. Kupfer hingegen kann Erbrechen, Schwäche oder auch Entzündungen im Verdauungstrakt auslösen. Das Leitungswasser sollte außerdem nicht mit Nitrat belastet sein. Nitratbelastetes Leitungswasser kommt vor allem in landwirtschaftlich genutzten Gebieten oder auch in privaten Hausbrunnen vor. In diesem Fall solltest Du für Dein Baby die ersten Monate anderes Wasser verwenden. Das Forschungsinstitut für Kinderernährung empfiehlt das Leitungswasser für Dein Kind etwa bis zum 6. Lebensmonat abzukochen. Danach reicht es das Wasser für ein paar Minuten zu erwärmen. Wenn Dein Baby ein Jahr alt ist, wird vom Abkochen des Wassers abgeraten, denn für die Entwicklung des Immunsystems ist der Kontakt mit ein paar Keimen von großer Bedeutung.

Mineralwasser

Natürliches Mineralwasser kannst Du für die Herstellung von Babynahrung ebenfalls benutzten. Allerdings nur wenn das Etikett extra mit dem Schriftzug “zur Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet” gekennzeichnet ist. Abkochen musst Du das Wasser dann allerdings trotzdem, da es noch nicht speziell für Babys aufbereitet wurde, sondern nur über einen niedrigen Mineralstoffgehalt verfügt. Am besten eignet sich stilles Wasser. Auch das abgekochte Mineralwasser solltest Du innerhalb von 24 Stunden verbrauchen. Folgende Grenzwerte sollten in natürlichem Mineralwasser nicht überschritten werden, wenn Du es für die Zubereitung von Babybrei benutzen möchtest:

  • Natrium < 20 mg/l
  • Sulfat < 240 mg/l
  • Nitrat < 10 mg/l
  • Nitrit < 0,02 mg/l
  • Fluorid < 0,7 mg/l
  • Mangan< 0,05 mg/l
  • Arsen< 0,005 mg/l
  • Uran< 0,002 mg/l

Unser Fazit

Unser Fazit – Babywasser ist definitiv kein muss. Herkömmliches Mineralwasser das als geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung gekennzeichnet ist, ist ebenfalls optimal geeignet. Babywasser ist einerseits sehr teuer und andererseits bringt es nicht wirklich einen Mehrwert, da es eine gewisse Zeit nach Öffnung der Flasche, genauso wie gewöhnliches Mineralwasser, abgekocht werden sollte. Abgekochtes Leitungswasser eignet sich ebenfalls gut, jedoch nur wenn es weder durch Blei, Kupfer oder Nitrat belastet ist.